Montag, 25. Januar 2010
Mit den Kindern umzugehen faellt mir auch immer leichter (am Anfang hatte ich eine leichte Beklemmung) und so, wuerde ich sagen, ist alles gerade sehr positiv.
Auch auf das Zwischenseminar, zu dem ich morgen aufbreche, freue ich mich schon, denn da werde ich die anderen Freiwilligen wieder sehen und auch neue von Brot fuer die Welt kennen lernen, mit denen wir das Seminar gemeinsam haben.
Ich wuensche euch ins (kalte?) Deutschland und ueberall wo ihr so auf der Welt verstreut seid, alles Liebe und bis bald!
Mittwoch, 13. Januar 2010
Am 20. Dezember war ich noch richtig im Vorweihnachtsstress und damit beschäftigt, den Kindern last minute ihren Text einzubläuen, sie zu verkleiden und zu schminken und schließlich auch mit Packen. Das Krippenspiel ging zwar wider Erwartens sehr gut über die Bühne und wir haben alle viel Lob bekommen, da es auch auf Englisch war, aber die Feier ging sehr lange und da wir danach den Kindern noch ihre Weihnachtsgeschenke gegeben haben, uns von ihnen verabschiedet haben, danach noch packen und am nächsten Morgen um 5.00 Uhr aufstehen mussten, war die Nacht leider sehr kurz und ich habe mehr als je zu vor Urlaub gebraucht ;). Zuerst mussten Caro und ich aber einen ganzen Tag in Bus, Flugzeug und Zug verbringen, bis wir endlich im schönen kleinen Strandurlaubsort Varkala angekommen waren, wo die anderen Volunteers schon im Hotel auf uns gewartet haben. Dort mussten wir dann auch noch eine Stunde mit der Autorickscha herum fahren, da der Fahrer nicht wusste, wo das Hotel war und auch keinen Plan lesen konnte. Schließlich haben wir ihm den Weg gewiesen und kamen also nach etwa 24 Stunden Reise an… Die Tage in Varkala waren sehr schön und sie bestanden hauptsächlich aus Sonnenbaden, Wellenhüpfen, Shoppen, Essen und Chillen ;). Es war genau richtig: Ich musste mal nicht versuchen, mich kulturell anzupassen (gegenüber den meisten anderen Touristen waren wir sowieso alle ein Muster an Anpassung^^), es war touristisch, aber nicht zu touristisch, der Ort war nicht überlaufen und kein Pauschaltourismus- Ziel und der Strand mit den roten Klippen ist einfach wunderschön. Auch Weihnachten haben wir in Varkala verbracht: Wir haben uns im Restaurant verschiedene Gerichte geteilt, jeder einen Cocktail getrunken (ich hatte einen mit grüner Chili, sehr zu empfehlen, wenn man es aushält ;)), dann am Strand neben Andreas Papp- Weihnachtsbaum und Kerzen, die jemand in den Sand gegraben hatte, mit der Gitarre Weihnachtslieder gesungen und die ruhige Atmosphäre genossen und schließlich haben wir noch eine sehr internationale Gruppe getroffen, die ebenfalls einen Gitarristen dabei hatte und saßen noch mit diesen Leuten am Strand.
Am 27. sind wir schließlich weitergefahren (Gott sei Dank konnte Julia auch mitkommen, da es ihr ein bisschen besser ging) und sind mittags zur gebuchten Hausboottour durch die Backwaters aufgebrochen. Das war natürlich inmitten der Natur und isoliert von der Außenwelt eine ganz andere Atmosphäre und nach dem eher aktiven Urlaub am Strand hat es mir wirklich auch mal gutgetan, mal ganz die Seele baumeln zu lassen und einfach den halben Tag auf dem Oberdeck zu liegen. Als Tübingerin haben mir natürlich besonders die einfachen Transportboote gefallen, die wie Stocherkähne (mit einer Bambusstange) fortbewegt werden und auch ein bisschen so aussehen. Es gibt sogar Bootsrennen mit noch laengeren (sog. Snake- Boats) Booten, die mich ans Stocherkahnrennen erinnert haben ;)... Auch die Verpflegung war auf dem Boot richtig lecker- wir hatten unseren eigenen Koch und der war sehr gut… Obwohl unsere Tour eigentlich zwei Tage dauern sollte, wollte unser Führer uns schon am zweiten Abend von Bord schicken, da für den nächsten Tag Streik angekündigt war (das verfolgt mich hier irgendwie). Wir haben aber dann mit ihnen und dem Anbieter ausgehandelt, dass wir sogar einen halben Tag länger auf dem Boot bleiben durften- denn sonst wären wir nirgends hingekommen und so konnten wir noch gemütlich chillen und ich habe ein paar Gitarrenakkorde gelernt (mein neuster Plan: Ich kaufe mir beim Zwischenseminar in Madurai eine Gitarre, dann kann ich wenigstens irgendwie ein bisschen Musik machen)….
Abends sind dann die Rikschas wieder gefahren und so konnten wir in den Ort Allepey hinein fahren. Dort haben wir an einer zwielichtigen Strassenecke einen italienisch- neuseeländischen Alkoholiker namens Gino kennen gelernt, der früher in der Schweiz, jetzt in Indien lebt und der uns unbedingt einen Transport in die Berge (unser nächstes Ziel war Kumily, ein kleiner Ort nahe dem Peryar- Nationalpark) organisieren wollte und am besten auch ein Hotel dort. Sein Fahrer hatte Gott sei Dank nicht die gleichen Trinkgewohnheiten wie er und so kamen wir mit dem Taxi recht günstig weg. Eigentlich hatten wir mit dem Bus fahren wollen, aber einige in der Gruppe waren gesundheitlich ziemlich angeschlagen, weswegen das Taxi wesentlich bequemer war. Endlich angekommen, stellten wir fest, dass das Hotel, das wir vorausgebucht hatten, plötzlich teurer war und uns nur eine Nacht aufnehmen wollte. Also sind Felix, Caro und Andrea am nächsten Morgen netter Weise losgezogen und haben das abgefahrene „Rainbow Cottage“ gefunden, das ziemlich farbenfroh und ziemlich günstig war. Der Vermieter hat uns gleich einen „Elephant ride“ organisiert, der allerdings nicht so ganz das Wahre war (lange Wartezeit, 4 Leute auf einem Elefanten, eine Tour über eine Baustelle, 20 statt 30 Minuten…). Dafür haben wir noch eine Führung durch einen Gewürzgarten billiger bekommen, was sehr interessant war. Jetzt habe ich einige Pflanzen (Zimt, Pfeffer, Kardamon…) auch endlich mal gesehen.
Für unseren letzten ganzen Tag in Kumily hatten wir eine sogenannte Safari mit dem Jeep gebucht. Wir sind um 5.30 Uhr morgens losgefahren (auf der Fahrt haben wir gleich das erste Tier, ein Kaninchen, gesehen) und kamen dann zunaechst nach etwa einer Dreiviertelstunde an den Rand des Nationalparks und schliesslich, nachdem wir auf dem Weg Affen, riesige Baumratten und von der Ferne (als schwarze Punkte) Bisons gesehen hatten, bei der Station im Nationalpark an. Von dort aus ging es nach dem Fruehstueck zu Fuss durch den Dschungel. Es war wirklich toll, mal wieder so richtig in der Natur zu sein, sich anzustrengen und die Atmosphaere auf sich wirken zu lassen, aber leider haben wir trotz angeblicher 50:50-Chance keine Elefanten gesehen. Das haette andererseits auch gefaehrlich sein koennen ;)... Unterwegs haben wir immer wieder ein paar Tiere gesehen, aber keine spektakulaeren. Leider ging es Caro gar nicht gut, sie hatte sich einen Bauchinfekt geholt, aber Gott sei Dank hat sie die Wanderung, die man nicht in der Mitte abbrechen konnte, gut durchgehalten. Wir haben dann immerhin noch Tigerspuren entdeckt und die zweiten davon nicht mal der Fuehrer sondern ich (vielleicht sollte ich Waldmensch werden^^) und ich fand die Wanderung wirklich schoen. Danach gab es Mittagessen, was wir wirklcih noetig hatten und schliesslich noch eine Bootstour ueber den See, wobei wir viel zu grosse, kaputte Schwimmwesten tragen mussten... Wir sind dann bei einem malerischen Wasserfall ausgestiegen, wo wir noch einmal die Chance gehabt haetten, Elefanten zu sehen, aber die hatten keine Lust. Die Safari war fuer mich trotzdem ein voller Erfolg und ich habe mir wirklich gewuenscht, hier oefter in die Natur zu kommen. Mir fehlt es sehr, im Wald spazieren zu gehen, denn in Karimnagar ist das einzige bisschen Natur, von dem ich etwas mitbekomme, der Hostel- Garten. Und in indischen Staedten merkt man die Abgase und den Staub schon besonders- jeden Abend, wenn ich mein Gesicht wasche, geht richtig Dreck ab...
soho, den eintrag hatte ich eigentlich am 13.01. geschrieben, als ich noch in karimnagar war. er konnte aber wegen des bloeden internets dort nicht gepostet werden. Gott sei Dank speichert blogspot automatisch Entwuerfe, deswegen ist nichts davon verloren gegangen :)
Montag, 4. Januar 2010
Turbulenter Start ins neue Jahr...
Ich wuensche euch noch allen ein frohes neues Jahr 2010 und hoffe, dass ihr schoene Weihnachten hattet! Vom 21.12. bis heute war ich im Weihnachtsurlaub in Kerala. Es war wunderschoen. Ich habe mich dort mit den meisten anderen Volunteers getroffen, wir waren am Meer, haben eine Hausboot- Tour in Keralas Backwaters gemacht und in den Bergen, im Naturschutzgebiet, eine schoene Wanderung gemacht... Es war also sehr vielfaeltig.
Auf der Rueckfahrt hatten wir dafuer ein paar Probleme im Zug, wo wir von ein paar jungen Maennern gestoert wurden, von einem Betrunkenen belaestigt wurden und schliesslich von einigen fotografiert wurden, als wir schliefen, was wiederum einige Hindupilger so wuetend gemacht hat, dass sie diese Maenner verpruegelt haben und sie dazu gezwungen haben, sich bei uns zu entschuldigen und unsere Fuesse zu beruehren... Das war ziemlich schlimm fueruns, da uns die Maenner dann wirklich leid getan haben... Wenigstens wurde jetzt unsere Ehre wieder hergestellt und sie haben sie dann schliesslich auch in Ruhe gelassen, nachdem wir und ein paar Nonnen darum gebeten hatten. Ich schaetze mal, das ganze hatte eine ordentlich abschreckende Wirkung...
In Andhra Pradesh angekommen mussten wir leider feststellen, dass das fuers erste nicht die einzige "Turbulenz"im neuen Jahr bleiben sollte: Unsere Organisation hat jetzt auf die Unruhen reagiert und haelt es fuer das Beste, dass wir noch diese Woche die Einsatzstelle wechseln. Das beruhigt mich einerseits sehr, andererseits bin ich wirklichtraurig, denn gerade in der letzten Zeit vor Weihnachten ist das Verhaeltnis zu den Kindern immer besser und enger geworden und jetzt muessen wir wegen dieser bloeden politischen Unruhen fuer 1,5 Monatenochmal ganz neu anfangen und uns im Schnelldurchlauf von den Kindern verabschieden :(.
Ich werde wohl erst mal nihcts von mir hoerenlassen koennen, da es in den naechsten Tagen wieder zu gefaehrlich sein wird, das Haus zu verlassen und ich danach an einen mirbisher unbekannten Ort kommenwerde... Wundert euch also nicht, ich werde so schnell wie moeglich ausfuehrlich schreiben!
Alles Liebe!