Mittwoch, 13. Januar 2010

Jetzt endlich komme ich trotz nicht funktionierender Computertastatur dazu, etwas über meine wunderschönen Weihnachtsferien zu schreiben.
Am 20. Dezember war ich noch richtig im Vorweihnachtsstress und damit beschäftigt, den Kindern last minute ihren Text einzubläuen, sie zu verkleiden und zu schminken und schließlich auch mit Packen. Das Krippenspiel ging zwar wider Erwartens sehr gut über die Bühne und wir haben alle viel Lob bekommen, da es auch auf Englisch war, aber die Feier ging sehr lange und da wir danach den Kindern noch ihre Weihnachtsgeschenke gegeben haben, uns von ihnen verabschiedet haben, danach noch packen und am nächsten Morgen um 5.00 Uhr aufstehen mussten, war die Nacht leider sehr kurz und ich habe mehr als je zu vor Urlaub gebraucht ;). Zuerst mussten Caro und ich aber einen ganzen Tag in Bus, Flugzeug und Zug verbringen, bis wir endlich im schönen kleinen Strandurlaubsort Varkala angekommen waren, wo die anderen Volunteers schon im Hotel auf uns gewartet haben. Dort mussten wir dann auch noch eine Stunde mit der Autorickscha herum fahren, da der Fahrer nicht wusste, wo das Hotel war und auch keinen Plan lesen konnte. Schließlich haben wir ihm den Weg gewiesen und kamen also nach etwa 24 Stunden Reise an… Die Tage in Varkala waren sehr schön und sie bestanden hauptsächlich aus Sonnenbaden, Wellenhüpfen, Shoppen, Essen und Chillen ;). Es war genau richtig: Ich musste mal nicht versuchen, mich kulturell anzupassen (gegenüber den meisten anderen Touristen waren wir sowieso alle ein Muster an Anpassung^^), es war touristisch, aber nicht zu touristisch, der Ort war nicht überlaufen und kein Pauschaltourismus- Ziel und der Strand mit den roten Klippen ist einfach wunderschön. Auch Weihnachten haben wir in Varkala verbracht: Wir haben uns im Restaurant verschiedene Gerichte geteilt, jeder einen Cocktail getrunken (ich hatte einen mit grüner Chili, sehr zu empfehlen, wenn man es aushält ;)), dann am Strand neben Andreas Papp- Weihnachtsbaum und Kerzen, die jemand in den Sand gegraben hatte, mit der Gitarre Weihnachtslieder gesungen und die ruhige Atmosphäre genossen und schließlich haben wir noch eine sehr internationale Gruppe getroffen, die ebenfalls einen Gitarristen dabei hatte und saßen noch mit diesen Leuten am Strand.

Die Zeit dort hätte ich wirklich gern noch verlängert, denn es gab so guten Fisch, so entspannte Cafés (mit Cappucino!!!), eine „German Bakery“ und und und… Mir tut Meerurlaub einfach immer gut.

Ansonsten gab es am Meer nichts besonderes, außer dass sich eine Krankheit, die Julia schon davor hatte, leider so schlimm entwickelt hat, dass sie zweimal mit mir ins Krankenhaus musste, einmal sogar ueber Nacht (ausgerechnet am letzten Abend). Dafuer hat mich dann Andrea abgeloest und das Krankenhaus war wirklich die Haerte! Im Untersuchungszimmer lag einmal eine junge Frau, bei der der Arzt zwischendrin die Reflexe getestet hat (sie lag ganz komisch mit offenen Augen da und hat auf nichts reagiert) und das Zimmer, in dem Julia lag, war noch mit ca. 20 anderen Frauen belegt, es gab im Badezimmer weder Seife noch Desinfektionsmittel (ich hab schnell Seife gekauft fuer uns) und so weiter... Julia hat mir sehr leidgetan, zumal die Ärzte dort ziemlich mies waren und wie so oft alle Probleme auf das „ungewohnt scharfe“ Essen geschoben haben (klar, nach über drei Monaten in Indien….).
Am 27. sind wir schließlich weitergefahren (Gott sei Dank konnte Julia auch mitkommen, da es ihr ein bisschen besser ging) und sind mittags zur gebuchten Hausboottour durch die Backwaters aufgebrochen. Das war natürlich inmitten der Natur und isoliert von der Außenwelt eine ganz andere Atmosphäre und nach dem eher aktiven Urlaub am Strand hat es mir wirklich auch mal gutgetan, mal ganz die Seele baumeln zu lassen und einfach den halben Tag auf dem Oberdeck zu liegen. Als Tübingerin haben mir natürlich besonders die einfachen Transportboote gefallen, die wie Stocherkähne (mit einer Bambusstange) fortbewegt werden und auch ein bisschen so aussehen. Es gibt sogar Bootsrennen mit noch laengeren (sog. Snake- Boats) Booten, die mich ans Stocherkahnrennen erinnert haben ;)... Auch die Verpflegung war auf dem Boot richtig lecker- wir hatten unseren eigenen Koch und der war sehr gut… Obwohl unsere Tour eigentlich zwei Tage dauern sollte, wollte unser Führer uns schon am zweiten Abend von Bord schicken, da für den nächsten Tag Streik angekündigt war (das verfolgt mich hier irgendwie). Wir haben aber dann mit ihnen und dem Anbieter ausgehandelt, dass wir sogar einen halben Tag länger auf dem Boot bleiben durften- denn sonst wären wir nirgends hingekommen und so konnten wir noch gemütlich chillen und ich habe ein paar Gitarrenakkorde gelernt (mein neuster Plan: Ich kaufe mir beim Zwischenseminar in Madurai eine Gitarre, dann kann ich wenigstens irgendwie ein bisschen Musik machen)….
Abends sind dann die Rikschas wieder gefahren und so konnten wir in den Ort Allepey hinein fahren. Dort haben wir an einer zwielichtigen Strassenecke einen italienisch- neuseeländischen Alkoholiker namens Gino kennen gelernt, der früher in der Schweiz, jetzt in Indien lebt und der uns unbedingt einen Transport in die Berge (unser nächstes Ziel war Kumily, ein kleiner Ort nahe dem Peryar- Nationalpark) organisieren wollte und am besten auch ein Hotel dort. Sein Fahrer hatte Gott sei Dank nicht die gleichen Trinkgewohnheiten wie er und so kamen wir mit dem Taxi recht günstig weg. Eigentlich hatten wir mit dem Bus fahren wollen, aber einige in der Gruppe waren gesundheitlich ziemlich angeschlagen, weswegen das Taxi wesentlich bequemer war. Endlich angekommen, stellten wir fest, dass das Hotel, das wir vorausgebucht hatten, plötzlich teurer war und uns nur eine Nacht aufnehmen wollte. Also sind Felix, Caro und Andrea am nächsten Morgen netter Weise losgezogen und haben das abgefahrene „Rainbow Cottage“ gefunden, das ziemlich farbenfroh und ziemlich günstig war. Der Vermieter hat uns gleich einen „Elephant ride“ organisiert, der allerdings nicht so ganz das Wahre war (lange Wartezeit, 4 Leute auf einem Elefanten, eine Tour über eine Baustelle, 20 statt 30 Minuten…). Dafür haben wir noch eine Führung durch einen Gewürzgarten billiger bekommen, was sehr interessant war. Jetzt habe ich einige Pflanzen (Zimt, Pfeffer, Kardamon…) auch endlich mal gesehen.
Für unseren letzten ganzen Tag in Kumily hatten wir eine sogenannte Safari mit dem Jeep gebucht. Wir sind um 5.30 Uhr morgens losgefahren (auf der Fahrt haben wir gleich das erste Tier, ein Kaninchen, gesehen) und kamen dann zunaechst nach etwa einer Dreiviertelstunde an den Rand des Nationalparks und schliesslich, nachdem wir auf dem Weg Affen, riesige Baumratten und von der Ferne (als schwarze Punkte) Bisons gesehen hatten, bei der Station im Nationalpark an. Von dort aus ging es nach dem Fruehstueck zu Fuss durch den Dschungel. Es war wirklich toll, mal wieder so richtig in der Natur zu sein, sich anzustrengen und die Atmosphaere auf sich wirken zu lassen, aber leider haben wir trotz angeblicher 50:50-Chance keine Elefanten gesehen. Das haette andererseits auch gefaehrlich sein koennen ;)... Unterwegs haben wir immer wieder ein paar Tiere gesehen, aber keine spektakulaeren. Leider ging es Caro gar nicht gut, sie hatte sich einen Bauchinfekt geholt, aber Gott sei Dank hat sie die Wanderung, die man nicht in der Mitte abbrechen konnte, gut durchgehalten. Wir haben dann immerhin noch Tigerspuren entdeckt und die zweiten davon nicht mal der Fuehrer sondern ich (vielleicht sollte ich Waldmensch werden^^) und ich fand die Wanderung wirklich schoen. Danach gab es Mittagessen, was wir wirklcih noetig hatten und schliesslich noch eine Bootstour ueber den See, wobei wir viel zu grosse, kaputte Schwimmwesten tragen mussten... Wir sind dann bei einem malerischen Wasserfall ausgestiegen, wo wir noch einmal die Chance gehabt haetten, Elefanten zu sehen, aber die hatten keine Lust. Die Safari war fuer mich trotzdem ein voller Erfolg und ich habe mir wirklich gewuenscht, hier oefter in die Natur zu kommen. Mir fehlt es sehr, im Wald spazieren zu gehen, denn in Karimnagar ist das einzige bisschen Natur, von dem ich etwas mitbekomme, der Hostel- Garten. Und in indischen Staedten merkt man die Abgase und den Staub schon besonders- jeden Abend, wenn ich mein Gesicht wasche, geht richtig Dreck ab...

Zu guter Letzt sind wir von Kumily mit dem Bus nach Kochin gefahren, um dort noch eine Nacht zu bleiben (Carolin, Julia und ich). Die anderen hatten das Glueck, dass ihre Leiter ihnen laengeren Urlaub zugestanden haben und konnten somit noch ein paar Tage bleiben. Den Tag, den wir hatten, haben wir aber gut genuetzt: Wir haben das wunderschoene alte VIertel Fort- Cochin angesehen, die chinesischen Fischernetze ausprobiert und waren abends bei einer sehr beeindruckenden Kathakali- Tanzvorstellung. Ausserdem haben wir auf der Fahrt mit der kleinen Faehre das gesehen, was uns in Varkala verwehrt geblieben war: Delphine mitten im Hafenbecken ;). So ist es nun mal... Wenn man nicht damit rechnet...

Weil wir von neuen Unruhen gehoert hatten, waren Caro, Julia und ich uns sehr unsicher, ob wir wirklich nach Andhra Pradesh zurueckfahren sollten, aber die zustaendigen Personen meinten, es sei kein Problem, also sind wir losgefahren. Bis zuletzt war nicht klar, ob wir Plaetze im Zug haben wuerden, oder sozusagen auf dem Boden schlafen muessten, denn wir waren auf der Warteliste gewesen. Gott sei Dank hatten wir Plaetze und auch noch neben sehr netten Hindu- Pilgern, die in die Naehe von uns mussten. Wir haben mal wieder jede Menge netter Leute kennen gelernt (eine Schulklasse aus Madhya Pradesh, Nonnen aus Nagpur...) und einige wollten uns wieder fotografieren. Damit gab es dann aber auch prompt ein Problem: Einige Nordinder aus einer Reisegruppe haben Julia und mich beim Schlafen geknipst und zwei aus der Gruppe hatten uns schon davor total betrunken belaestigt. Das fand ich zwar nicht angenehm, aber wenn sie weggegangen waeren, waere fuer mich alles in Ordnung gewesen. Nicht so fuer die Pilger, die sich mit uns angefreundet hatten: Sie wollten unsere Ehre wiederherstellen und haben die Maenner regelrecht verpruegelt, ihnen teilweise die Kleider zerrissen und sie schliesslich unsere Fuesse beruehren lassen (Geste der Erniedrigung hoch zehn)- da hat aller Einspruch von uns nichts geholfen. SIe haben sie, wenn ich es richtig mitbekommen habe, sogar der Polizei uebergeben und wir mussten danach bei den Nonnen sitzen, die uns dann geholfen haben. Ich habe mich richtig schuldig gefuehlt, aber wenigstens werden die Typen sowas jetzt nie wieder machen und angeblich haben sie sogar ncoh andere Frauen belaestigt, deswegen schadet es ihnen vielleicht auch mal nichts...

Danach hat sich die Situation komplett gewandelt. Die Hindu- Pilger (alles Maenner) und die Schwestern sind ins Gespraech gekommen und haben sich dann dazu angehalten, sich gegenseitig Lieder vorzusingen. Es war wirklich koestlich. Sowas kann man vielleicht nur in Indien erleben. Zu guter Letzt mussten wir auch noch ein deutsches Lied singen und so gingen die 24 Stunden Fahrt ereignisreich rum ;).

WIr haben dann erst mal eine Nacht bei Julia in Khammam geschlafen und sind am naechsten Morgen mit dem Bus nach Karimnagar. Unterwegs wurden wir stundenlang von Demonstrationen fuer Telangana aufgehalten und uns hat ein Anruf vom EMS erreicht, dass wir die EInsatzstelle wechseln sollten. Das war schon ein herber Schlag fuer uns. Die Maedchen haben sich so gefreut, uns wieder zu sehen und wir genau so... Wir durften es ihnen nciht mal sagen, denn sie hatten ausgerechnet in dieser Woche Examen und die Leiterin wollte nicht, dass sie die deswegen vergeigen. Wir haben nochmal mit dem EMS gesprochen, ob es nicht doch moeglich waere, dazubleiben, da auch der Bischof meinte, es sei sicher, solange wir im Hostel waeren, aber sie meinten, dass es eben auch wegen der Reisemoeglichkeiten wichtig sei, dort wegzukommen, denn viele Zuege und Strassen waren blockiert, sodass wir im Ernstfall gar nicht dort rausgekommen waeren. Die Situation hat sich dann ein bsischen beruhigt, wird jetzt aber schon wieder unsicherer und da man nicht weiss, wie es sich entwickelt, sind wir in der Zwischenzeit auch der Meinung, dass es besser ist, zu gehen. Traurig bin ich trotzdem. ALs wir es den Maedchen gesagt haben, haben erst mal alle eine Stunde lang geweint und der Abschied, als die Maedchen in Ferien gegangen sind, war auch nicht leicht. Dafuer haben wir einen wunderschoenen letzten Tag gemeinsam im Park verbracht und immerhin konnten sich die Maedchen ein bisschen auf zu hause freuen, deswegen war es nicht ganz so schlimm. Die letzte Nacht haben Caro und ich mit den wenigen Maedchen, die erst am Sonntag abgeholt wurden, in der Dining Hall geschlafen, was leider keine gute Idee war: Ich wurde so furchtbar verstochen, dass ich allein auf meiner linken Gesichtshaelfte am naechsten Morgen ca. 50 Stiche zaehlen konnte, mein Auge war total zugeschwollen und meine Lippe sah aus wie nach einem Boxkampf... Totalschaden^^ In der Zwischenzeit sehe ich aber wieder normal aus und nachdem Caro und ich die letzten Tage viel zu tun hatten, steht jetzt fest, dass wir morgen mit dem Zug von Hyderabad nach Bangalore fahren werden, wo das CCCYC eine neue Stelle fuer uns sucht. Bis sie die gefunden haben, werden wir (vermutlich etwa eine Woche) dort bleiben... Es kann gut sein, dass ich dort am eigenen Computer und oefter Internet haben werde :). Bis bald also! Alles Liebe!
soho, den eintrag hatte ich eigentlich am 13.01. geschrieben, als ich noch in karimnagar war. er konnte aber wegen des bloeden internets dort nicht gepostet werden. Gott sei Dank speichert blogspot automatisch Entwuerfe, deswegen ist nichts davon verloren gegangen :)

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