Hallihallo , ich bin’s mal wieder aus dem Dschungel. Ich entschuldige mich zunächst mal bei allen treuen Lesern, die in letzter Zeit neue Einträge vermisst haben. Ich war sehr busy! Nach dem Zwischenseminar in Madurai, was ja sehr schön war, ist erst mal Caro krank geworden, dann waren wir übers Wochenende vom 13. bis zum 15. in Kanyakumari, an der Südspitze Indiens. Es war sehr cool, nur für meinen Geschmack waren zu viele Hindu- Pilger und andere indische Touristen da. Wir haben es uns aber richtig gut gehen lassen, jeden Tag Lassi oder frischen Fruchtsaft getrunken und den wunderschönen Sonnenaufgang und –untergang bestaunt. Am zweiten Tag haben wir sogar einen Ort gefunden, wo man den Sonnenaufgang perfekt sehen konnte, ohne in der 10. Reihe zu stehen und dafür mit malerischer Aussicht auf das Fischerdorf Kanyakumari. Diese Seite der Stadt hat mir wesentlich besser gefallen als die touristische. Davor war ich schon fast enttäuscht von den Versprechungen.
Langsam neigt sich meine Zeit hier dem Ende entgegen. Ich bin nur noch knapp drei Wochen hier, dann kommt meine Mutter und später mein Vater und meine Schwester und wir werden ein bisschen durch den Subkontinent Indien reisen. Und Mitte April werde ich nach Hause zurückkehren J. Ich bin sehr gespannt und freue mich riesig, auch wenn es hier wunderschön ist.
Mit den Kindern wird es immer cooler. Sie sind einfach eine total lustige Truppe. Langsam lernen wir uns immer besser kennen und die Eigenheiten von jedem einzelnen sind einfach zum Schießen. Ich kenne noch nicht mal von allen die Namen, da viele ihren gar nicht oder nicht deutlich aussprechen können, deswegen haben einige Beinamen wie „Briefezerfetzer“ (ein sehr hyperaktiver Junge) oder „Steineesser“ (jetzt weiß ich, dass er Jasper heißt, aber er tut wirklich immer so, als würde er Steine essen) und wenn man vor dem Essen in die Dining Hall kommt, hat man wirklich immer was zu lachen, weil wirklich viele so individuelle Ticks haben, dass es nie langweilig wird.
Leider werden die Kinder relativ oft von den Helferinnen geschlagen, wenn sie zum Beispiel beim Gebet nicht in Reihen sitzen. Das ist deswegen besonders traurig, weil die meisten nicht verstehen, was man von ihnen fordert und deswegen eigentlich zu Unrecht bestraft werden. Natürlich gibt es nicht genügend Personal, aber es ist schon wesentlich besser als in Karimnagar, deswegen finde ich, dass man mit deutlich weniger Gewalt auskommen könnte. Aber die Helferinnen, die sehr schlecht verdienen und 24 Stunden am Tag für diese Kinder zuständig sind, darunter auch Kinder, die wirklich fast nichts allein können, die dazu noch von ihren Familien getrennt leben müssen, sind leider sehr frustriert und lassen ihre Aggressionen dann eben an den Kindern aus.
Heute war ich in der dritten Klasse (von 7) und die Lehrerin hat mir bisher am besten gefallen. Sie hat die Kinder sehr oft gelobt und immer wieder ermutigt weiter zu machen. Bei anderen sitzen Kinder, die nicht sofort mitmachen, oft einfach am Rand. Mit ihr hat der Unterricht wirklich viel Spaß gemacht. Das macht es mir jetzt aber sowieso meistens. Ich suche mir irgendein Kind und helfe ihm beim Schreiben, beim Benennen von Gegenständen (zum Beispiel Obst oder Gemüse), oder beim Zählen. Nachmittags basteln, malen oder singen wir meistens mit einer kleinen Gruppe von Kindern. Gestern haben wir zum Beispiel aus bunten Papierschnipseln Mosaike geklebt. Natürlich ist es sehr anstrengend, vor allem, weil immer alle Kinder gleichzeitig etwas mit uns machen wollen, meine Hand halten wollen oder mit mir Tamil reden und einfach nicht verstehen, dass ich diese Sprache nicht kann. Deswegen bin ich um 16.00 Uhr, wenn die Schule rum ist, auch wirklich gebügelt, aber immerhin habe ich was zu tun und Spaß. Wenn die Lehrerinnen nachmittags keine Lust mehr haben zu unterrichten, machen sie Musik an und dann geht es ab auf dem Schulhof. Die Jungs von etwa 9 bis 14 sind die schlimmsten. Sie ziehen ihre Hemden aus und wackeln kräftig mit dem Hintern und machen alles, was sie sich so aus den Musikvideos im Fernsehen abgeschaut haben^^. Es ist immer sehr lustig mit anzusehen. Heute war ich total überrascht, weil bisher immer nur indischer Pop kam, jetzt aber plötzlich „Barbie Girl“ und es war wirklich lustig, weil ein Junge, Livingston, auch noch komplett falsch mitgesungen hat… In seiner Klasse gibt es übrigens einen Jungen namens Darwin. Verrückt!
Zwei der süßesten sind Jesu und Aju. Jesu ist der kleinste, er ist erst drei und sehr aktiv. Je nach Laune verteilt er Schläge oder Küsschen und es kam auch schon vor, dass er meine Backe angesabbert hat^^ Aber er ist einfach so charmant, dass man ihm alles verzeiht. Aju ist viel ruhiger, hat riesige Schiele- Augen mit langen Wimpern und eine große Zahnlücke… Er ist sehr kuschelig und anhänglich, kann aber kaum reden…. Ich könnte über die meisten Kinder etwas schreiben, sie sind einfach wirklich speziell :P.
Freitag ging es mir plötzlich schlecht, ich war total fertig und hatte schlimme Bauchschmerzen und dachte schon in hypochondrischer Panik, ich hätte eine Blinddarmentzündung und müsste operiert werden, worauf ich in Indien jetzt nicht unbedingt wert lege. Es stellte sich aber heraus, dass ich Amöben hatte (jedenfalls wahrscheinlich- der Manager des Heims, der auch Arzt ist, fand es nicht nötig einen Test zu machen). Durch die Medikamente geht es mir jetzt aber wieder ziemlich gut. Schade war nur, dass wir deswegen am Samstag nicht die Schulleiterin besuchen konnten, die uns eingeladen hatte. Das können wir aber vielleicht an diesem Wochenende nachholen, wenn Andrea, eine andere Freiwillige, uns besuchen kommt.
Jetzt sind wir immer noch dabei, uns zu registrieren und ich hoffe mal, ich bekomme meinen „residential permit“ noch, bevor ich mich wieder abmelden muss, um nach Deutschland ausreisen zu können. Indische Bürokratie ist unvergleichlich schrecklich ;)!!! Aber diesmal kümmert sich wenigstens noch der Sozialarbeiter des Heims darum, deswegen denke ich, es wird schon werden.
Nun ja, soweit mal. Ich freue mich immer über Mails und Briefe und wenn ihr Fragen habt, versuche ich, sie zu beantworten.
Bis bald!
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