Donnerstag, 4. März 2010
nur noch 10 Tage in Chitramcode...
leider wird dieser Eintrag schon einer meiner letzten sein, denn mein Freiwilligendienst ist am 14. März zu Ende. Danach werde ich mit meinen Eltern noch ein bisschen Indien bereisen und Mitte April zurück kommen. Einerseits freue ich mich schon unglaublich auf zu hause, vor allem auf die Leute, die ich dort endlich wieder treffen werde, auf das Klima und natürlich das Essen ;), aber andererseits bin ich natürlich ein bisschen wehmütig, weil ich hier alles, was ich mir aufgebaut habe, zurück lassen muss. In dieser zweiten Stelle wäre ich wirklich gern länger geblieben, weil hier alle Mitarbeiter so nett sind und weil wir wirklich schönes zusätzliches Programm mit den Kindern machen können. Das Heim ist auf unsere Arbeit keineswegs angewiesen, so wie es in Karimnagar war. Caro und ich machen fast jeden Tag mit ein paar einzelnen Kindern (meistens 3- 6, damit wir uns um alle kümmern können) etwas Außerschulisches. Zum Beispiel haben wir Papierschiffchen gebastelt und sie fahren gelassen, mit Wasserfarben gemalt, Ball gespielt, ein Papiermosaik geklebt… Das macht meistens viel Spaß, aber nach den zwei Stunden bin ich auch ganz schön geschafft, denn die Kinder halten einen ganz schön auf Trab, wenn sie die Stifte durch die Gegend schmeißen, das Papier essen, beim Malen den Pinsel total kaputt machen, oder einfach nur nach jedem Strich ein Lob haben wollen ;). Aber ich habe die Kinder wirklich liebgewonnen, jedes in seiner Einzigartigkeit. Dadurch, dass viele irgendwelche Ticks oder besonderen Angewohnheiten haben, gibt es eigentlich immer was zum Lachen. Ich denke, die Arbeit mit Behinderten wäre vielleicht auf die Dauer nichts für mich, aber eine Zeit lang ist es sehr schön und bereichernd.
Leider kann ich noch keine Fotos hochstellen, weil Caros Laptop, auf den ich die Bilder immer laden konnte, einen Virus hat und ich meine Karte schützen will. Also muss ich noch eine Weile warten, bis sie ein Antivir- Update herunterladen kann. Das geht nämlich nicht in jedem Internetcafé, dass man seinen eigenen Laptop mitbringt. Ich habe neulich meinen mitgenommen und musste feststellen, dass ich etliche Viren, Würmer und Trojaner hatte- alles über meinen Stick, da anscheinend die Virenprogramme, die hier oft verwendet werden, nicht so sicher wie andere sind… Naja, das soll mir eine Lehre sein!
Am Dienstag waren Caro und ich ins Dorf des Wardens eingeladen. Die älteste Tochter, deren College wegen eines Streiks geschlossen hatte, war auch dabei und es war sehr schön. Beim Bruder des Wardens bekamen wir ein gutes Mittagessen und danach einen Tee, wie das in Indien so üblich ist, allerdings war der Tee besonders gut, da die Milch frisch von der Kuh im Hinterhof kam ;). Dann haben wir noch eine Blindeneinrichtung und ein Polioheim besichtigt. Beides, besonders ersteres, war sehr interessant. Gerade mit welchen Methoden die Kinder unterrichtet werden, dass es in der Blindenschule sogar Musikunterricht gibt, wie gut die Ausstattung aufgrund von staatlichen, privaten und kirchlichen Geldern ist, und wie schön viele dieser Kinder, obwohl sie ja nichts davon sehen können, Handarbeiten herstellen….
Gestern habe ich mal meinen Fotoapparat in die Schule mitgenommen und war damit die Mega- Attraktion. Dauernd wollten die Kinder von mir fotografiert werden oder die Kamera haben und dabei sind ein paar sehr lustige Bilder entstanden, die ich unbedingt hier mal hochstellen muss. Naja, sonst gibt es gar nicht so viel zu erzählen, außer natürlich, dass am Wochenende Andrea zu Besuch war. Sie musste etwa 5 Stunden mit dem Bus fahren und dann haben wir sie in Nagercoil abgeholt. Am Samstag waren wir gemeinsam mit den Kindern des Warden bei einem Wasserfall in der Nähe, wo wir uns- auf indische Art, also voll bekleidet- drunter gestellt haben und die Massage genossen haben und danach machten wir auf dem Fluss oberhalb noch eine kleine Bootsfahrt. Außer uns waren nur indische Touristen da, die mal wieder total von uns Weißen in indischen Kleidern begeistert waren. Am Sonntag waren wir dann bei einer unserer Köchinnen, Vijeya, eingeladen und durften uns ihre Wohngegend ansehen, ihre Verwandten kennen lernen. Als wir etwas zu Essen bekamen, saßen wir wegen des Stromausfalls nicht innen, wo es stockdunkel war, sondern im Rohbau ihres neuen Hauses… Auch lustig ;). Am Montag wollte Andrea eigentlich noch mit uns am Unterricht teilnehmen, aber es stellte sich heraus, dass am Sonntag ein ehemaliger Bischof verstorben war und deswegen alle CSI (Church of South India)- Schulen geschlossen sein mussten… So begleiteten wir sie nach Nagercoil und fanden dort die ersten reifen Mangos dieses Jahr, die wirklich super gut waren! Ich hoffe, dass die, die auf dem Gelände wachsen, auch noch in der Zeit reif werden, in der ich da bin, damit ich etwas davon abbekomme…
Aber auch auf Reisen kann ich ja welche essen . Das wird bestimmt sowieso gut, wir haben auch große Pläne... Zuerst werde ich mit meiner Mutter an einen hoch gelobten Strand, wenig südlich von Goa gehen, dann wollen wir nach Delhi, Varanasi und zur Kumbh Mela nach Haridwar. Von dort aus geht es dann wieder in den Süden nach Tamil Nadu und Kerala und ich werde meinen Eltern noch meine Einsatzstelle zeigen. Außerdem ist es in Indien unerlässlich, sich eine Ausreise- Erlaubnis von der Polizei zu holen und auch das werde ich dann in Nagercoil tun. Wenn ich diese Erlaubnis hoffentlich bekomme, steht meiner Ausreise nichts mehr im Wege und dann freue ich mich auf Deutschland ;). Sogar auf die Kälte! Ich melde mich bald wieder.
Liebe Grüße,
eure Sophia
Dienstag, 23. Februar 2010
Hallihallo , ich bin’s mal wieder aus dem Dschungel. Ich entschuldige mich zunächst mal bei allen treuen Lesern, die in letzter Zeit neue Einträge vermisst haben. Ich war sehr busy! Nach dem Zwischenseminar in Madurai, was ja sehr schön war, ist erst mal Caro krank geworden, dann waren wir übers Wochenende vom 13. bis zum 15. in Kanyakumari, an der Südspitze Indiens. Es war sehr cool, nur für meinen Geschmack waren zu viele Hindu- Pilger und andere indische Touristen da. Wir haben es uns aber richtig gut gehen lassen, jeden Tag Lassi oder frischen Fruchtsaft getrunken und den wunderschönen Sonnenaufgang und –untergang bestaunt. Am zweiten Tag haben wir sogar einen Ort gefunden, wo man den Sonnenaufgang perfekt sehen konnte, ohne in der 10. Reihe zu stehen und dafür mit malerischer Aussicht auf das Fischerdorf Kanyakumari. Diese Seite der Stadt hat mir wesentlich besser gefallen als die touristische. Davor war ich schon fast enttäuscht von den Versprechungen.
Langsam neigt sich meine Zeit hier dem Ende entgegen. Ich bin nur noch knapp drei Wochen hier, dann kommt meine Mutter und später mein Vater und meine Schwester und wir werden ein bisschen durch den Subkontinent Indien reisen. Und Mitte April werde ich nach Hause zurückkehren J. Ich bin sehr gespannt und freue mich riesig, auch wenn es hier wunderschön ist.
Mit den Kindern wird es immer cooler. Sie sind einfach eine total lustige Truppe. Langsam lernen wir uns immer besser kennen und die Eigenheiten von jedem einzelnen sind einfach zum Schießen. Ich kenne noch nicht mal von allen die Namen, da viele ihren gar nicht oder nicht deutlich aussprechen können, deswegen haben einige Beinamen wie „Briefezerfetzer“ (ein sehr hyperaktiver Junge) oder „Steineesser“ (jetzt weiß ich, dass er Jasper heißt, aber er tut wirklich immer so, als würde er Steine essen) und wenn man vor dem Essen in die Dining Hall kommt, hat man wirklich immer was zu lachen, weil wirklich viele so individuelle Ticks haben, dass es nie langweilig wird.
Leider werden die Kinder relativ oft von den Helferinnen geschlagen, wenn sie zum Beispiel beim Gebet nicht in Reihen sitzen. Das ist deswegen besonders traurig, weil die meisten nicht verstehen, was man von ihnen fordert und deswegen eigentlich zu Unrecht bestraft werden. Natürlich gibt es nicht genügend Personal, aber es ist schon wesentlich besser als in Karimnagar, deswegen finde ich, dass man mit deutlich weniger Gewalt auskommen könnte. Aber die Helferinnen, die sehr schlecht verdienen und 24 Stunden am Tag für diese Kinder zuständig sind, darunter auch Kinder, die wirklich fast nichts allein können, die dazu noch von ihren Familien getrennt leben müssen, sind leider sehr frustriert und lassen ihre Aggressionen dann eben an den Kindern aus.
Heute war ich in der dritten Klasse (von 7) und die Lehrerin hat mir bisher am besten gefallen. Sie hat die Kinder sehr oft gelobt und immer wieder ermutigt weiter zu machen. Bei anderen sitzen Kinder, die nicht sofort mitmachen, oft einfach am Rand. Mit ihr hat der Unterricht wirklich viel Spaß gemacht. Das macht es mir jetzt aber sowieso meistens. Ich suche mir irgendein Kind und helfe ihm beim Schreiben, beim Benennen von Gegenständen (zum Beispiel Obst oder Gemüse), oder beim Zählen. Nachmittags basteln, malen oder singen wir meistens mit einer kleinen Gruppe von Kindern. Gestern haben wir zum Beispiel aus bunten Papierschnipseln Mosaike geklebt. Natürlich ist es sehr anstrengend, vor allem, weil immer alle Kinder gleichzeitig etwas mit uns machen wollen, meine Hand halten wollen oder mit mir Tamil reden und einfach nicht verstehen, dass ich diese Sprache nicht kann. Deswegen bin ich um 16.00 Uhr, wenn die Schule rum ist, auch wirklich gebügelt, aber immerhin habe ich was zu tun und Spaß. Wenn die Lehrerinnen nachmittags keine Lust mehr haben zu unterrichten, machen sie Musik an und dann geht es ab auf dem Schulhof. Die Jungs von etwa 9 bis 14 sind die schlimmsten. Sie ziehen ihre Hemden aus und wackeln kräftig mit dem Hintern und machen alles, was sie sich so aus den Musikvideos im Fernsehen abgeschaut haben^^. Es ist immer sehr lustig mit anzusehen. Heute war ich total überrascht, weil bisher immer nur indischer Pop kam, jetzt aber plötzlich „Barbie Girl“ und es war wirklich lustig, weil ein Junge, Livingston, auch noch komplett falsch mitgesungen hat… In seiner Klasse gibt es übrigens einen Jungen namens Darwin. Verrückt!
Zwei der süßesten sind Jesu und Aju. Jesu ist der kleinste, er ist erst drei und sehr aktiv. Je nach Laune verteilt er Schläge oder Küsschen und es kam auch schon vor, dass er meine Backe angesabbert hat^^ Aber er ist einfach so charmant, dass man ihm alles verzeiht. Aju ist viel ruhiger, hat riesige Schiele- Augen mit langen Wimpern und eine große Zahnlücke… Er ist sehr kuschelig und anhänglich, kann aber kaum reden…. Ich könnte über die meisten Kinder etwas schreiben, sie sind einfach wirklich speziell :P.
Freitag ging es mir plötzlich schlecht, ich war total fertig und hatte schlimme Bauchschmerzen und dachte schon in hypochondrischer Panik, ich hätte eine Blinddarmentzündung und müsste operiert werden, worauf ich in Indien jetzt nicht unbedingt wert lege. Es stellte sich aber heraus, dass ich Amöben hatte (jedenfalls wahrscheinlich- der Manager des Heims, der auch Arzt ist, fand es nicht nötig einen Test zu machen). Durch die Medikamente geht es mir jetzt aber wieder ziemlich gut. Schade war nur, dass wir deswegen am Samstag nicht die Schulleiterin besuchen konnten, die uns eingeladen hatte. Das können wir aber vielleicht an diesem Wochenende nachholen, wenn Andrea, eine andere Freiwillige, uns besuchen kommt.
Jetzt sind wir immer noch dabei, uns zu registrieren und ich hoffe mal, ich bekomme meinen „residential permit“ noch, bevor ich mich wieder abmelden muss, um nach Deutschland ausreisen zu können. Indische Bürokratie ist unvergleichlich schrecklich ;)!!! Aber diesmal kümmert sich wenigstens noch der Sozialarbeiter des Heims darum, deswegen denke ich, es wird schon werden.
Nun ja, soweit mal. Ich freue mich immer über Mails und Briefe und wenn ihr Fragen habt, versuche ich, sie zu beantworten.
Bis bald!
Montag, 25. Januar 2010
Mit den Kindern umzugehen faellt mir auch immer leichter (am Anfang hatte ich eine leichte Beklemmung) und so, wuerde ich sagen, ist alles gerade sehr positiv.
Auch auf das Zwischenseminar, zu dem ich morgen aufbreche, freue ich mich schon, denn da werde ich die anderen Freiwilligen wieder sehen und auch neue von Brot fuer die Welt kennen lernen, mit denen wir das Seminar gemeinsam haben.
Ich wuensche euch ins (kalte?) Deutschland und ueberall wo ihr so auf der Welt verstreut seid, alles Liebe und bis bald!
Mittwoch, 13. Januar 2010
Am 20. Dezember war ich noch richtig im Vorweihnachtsstress und damit beschäftigt, den Kindern last minute ihren Text einzubläuen, sie zu verkleiden und zu schminken und schließlich auch mit Packen. Das Krippenspiel ging zwar wider Erwartens sehr gut über die Bühne und wir haben alle viel Lob bekommen, da es auch auf Englisch war, aber die Feier ging sehr lange und da wir danach den Kindern noch ihre Weihnachtsgeschenke gegeben haben, uns von ihnen verabschiedet haben, danach noch packen und am nächsten Morgen um 5.00 Uhr aufstehen mussten, war die Nacht leider sehr kurz und ich habe mehr als je zu vor Urlaub gebraucht ;). Zuerst mussten Caro und ich aber einen ganzen Tag in Bus, Flugzeug und Zug verbringen, bis wir endlich im schönen kleinen Strandurlaubsort Varkala angekommen waren, wo die anderen Volunteers schon im Hotel auf uns gewartet haben. Dort mussten wir dann auch noch eine Stunde mit der Autorickscha herum fahren, da der Fahrer nicht wusste, wo das Hotel war und auch keinen Plan lesen konnte. Schließlich haben wir ihm den Weg gewiesen und kamen also nach etwa 24 Stunden Reise an… Die Tage in Varkala waren sehr schön und sie bestanden hauptsächlich aus Sonnenbaden, Wellenhüpfen, Shoppen, Essen und Chillen ;). Es war genau richtig: Ich musste mal nicht versuchen, mich kulturell anzupassen (gegenüber den meisten anderen Touristen waren wir sowieso alle ein Muster an Anpassung^^), es war touristisch, aber nicht zu touristisch, der Ort war nicht überlaufen und kein Pauschaltourismus- Ziel und der Strand mit den roten Klippen ist einfach wunderschön. Auch Weihnachten haben wir in Varkala verbracht: Wir haben uns im Restaurant verschiedene Gerichte geteilt, jeder einen Cocktail getrunken (ich hatte einen mit grüner Chili, sehr zu empfehlen, wenn man es aushält ;)), dann am Strand neben Andreas Papp- Weihnachtsbaum und Kerzen, die jemand in den Sand gegraben hatte, mit der Gitarre Weihnachtslieder gesungen und die ruhige Atmosphäre genossen und schließlich haben wir noch eine sehr internationale Gruppe getroffen, die ebenfalls einen Gitarristen dabei hatte und saßen noch mit diesen Leuten am Strand.
Am 27. sind wir schließlich weitergefahren (Gott sei Dank konnte Julia auch mitkommen, da es ihr ein bisschen besser ging) und sind mittags zur gebuchten Hausboottour durch die Backwaters aufgebrochen. Das war natürlich inmitten der Natur und isoliert von der Außenwelt eine ganz andere Atmosphäre und nach dem eher aktiven Urlaub am Strand hat es mir wirklich auch mal gutgetan, mal ganz die Seele baumeln zu lassen und einfach den halben Tag auf dem Oberdeck zu liegen. Als Tübingerin haben mir natürlich besonders die einfachen Transportboote gefallen, die wie Stocherkähne (mit einer Bambusstange) fortbewegt werden und auch ein bisschen so aussehen. Es gibt sogar Bootsrennen mit noch laengeren (sog. Snake- Boats) Booten, die mich ans Stocherkahnrennen erinnert haben ;)... Auch die Verpflegung war auf dem Boot richtig lecker- wir hatten unseren eigenen Koch und der war sehr gut… Obwohl unsere Tour eigentlich zwei Tage dauern sollte, wollte unser Führer uns schon am zweiten Abend von Bord schicken, da für den nächsten Tag Streik angekündigt war (das verfolgt mich hier irgendwie). Wir haben aber dann mit ihnen und dem Anbieter ausgehandelt, dass wir sogar einen halben Tag länger auf dem Boot bleiben durften- denn sonst wären wir nirgends hingekommen und so konnten wir noch gemütlich chillen und ich habe ein paar Gitarrenakkorde gelernt (mein neuster Plan: Ich kaufe mir beim Zwischenseminar in Madurai eine Gitarre, dann kann ich wenigstens irgendwie ein bisschen Musik machen)….
Abends sind dann die Rikschas wieder gefahren und so konnten wir in den Ort Allepey hinein fahren. Dort haben wir an einer zwielichtigen Strassenecke einen italienisch- neuseeländischen Alkoholiker namens Gino kennen gelernt, der früher in der Schweiz, jetzt in Indien lebt und der uns unbedingt einen Transport in die Berge (unser nächstes Ziel war Kumily, ein kleiner Ort nahe dem Peryar- Nationalpark) organisieren wollte und am besten auch ein Hotel dort. Sein Fahrer hatte Gott sei Dank nicht die gleichen Trinkgewohnheiten wie er und so kamen wir mit dem Taxi recht günstig weg. Eigentlich hatten wir mit dem Bus fahren wollen, aber einige in der Gruppe waren gesundheitlich ziemlich angeschlagen, weswegen das Taxi wesentlich bequemer war. Endlich angekommen, stellten wir fest, dass das Hotel, das wir vorausgebucht hatten, plötzlich teurer war und uns nur eine Nacht aufnehmen wollte. Also sind Felix, Caro und Andrea am nächsten Morgen netter Weise losgezogen und haben das abgefahrene „Rainbow Cottage“ gefunden, das ziemlich farbenfroh und ziemlich günstig war. Der Vermieter hat uns gleich einen „Elephant ride“ organisiert, der allerdings nicht so ganz das Wahre war (lange Wartezeit, 4 Leute auf einem Elefanten, eine Tour über eine Baustelle, 20 statt 30 Minuten…). Dafür haben wir noch eine Führung durch einen Gewürzgarten billiger bekommen, was sehr interessant war. Jetzt habe ich einige Pflanzen (Zimt, Pfeffer, Kardamon…) auch endlich mal gesehen.
Für unseren letzten ganzen Tag in Kumily hatten wir eine sogenannte Safari mit dem Jeep gebucht. Wir sind um 5.30 Uhr morgens losgefahren (auf der Fahrt haben wir gleich das erste Tier, ein Kaninchen, gesehen) und kamen dann zunaechst nach etwa einer Dreiviertelstunde an den Rand des Nationalparks und schliesslich, nachdem wir auf dem Weg Affen, riesige Baumratten und von der Ferne (als schwarze Punkte) Bisons gesehen hatten, bei der Station im Nationalpark an. Von dort aus ging es nach dem Fruehstueck zu Fuss durch den Dschungel. Es war wirklich toll, mal wieder so richtig in der Natur zu sein, sich anzustrengen und die Atmosphaere auf sich wirken zu lassen, aber leider haben wir trotz angeblicher 50:50-Chance keine Elefanten gesehen. Das haette andererseits auch gefaehrlich sein koennen ;)... Unterwegs haben wir immer wieder ein paar Tiere gesehen, aber keine spektakulaeren. Leider ging es Caro gar nicht gut, sie hatte sich einen Bauchinfekt geholt, aber Gott sei Dank hat sie die Wanderung, die man nicht in der Mitte abbrechen konnte, gut durchgehalten. Wir haben dann immerhin noch Tigerspuren entdeckt und die zweiten davon nicht mal der Fuehrer sondern ich (vielleicht sollte ich Waldmensch werden^^) und ich fand die Wanderung wirklich schoen. Danach gab es Mittagessen, was wir wirklcih noetig hatten und schliesslich noch eine Bootstour ueber den See, wobei wir viel zu grosse, kaputte Schwimmwesten tragen mussten... Wir sind dann bei einem malerischen Wasserfall ausgestiegen, wo wir noch einmal die Chance gehabt haetten, Elefanten zu sehen, aber die hatten keine Lust. Die Safari war fuer mich trotzdem ein voller Erfolg und ich habe mir wirklich gewuenscht, hier oefter in die Natur zu kommen. Mir fehlt es sehr, im Wald spazieren zu gehen, denn in Karimnagar ist das einzige bisschen Natur, von dem ich etwas mitbekomme, der Hostel- Garten. Und in indischen Staedten merkt man die Abgase und den Staub schon besonders- jeden Abend, wenn ich mein Gesicht wasche, geht richtig Dreck ab...
soho, den eintrag hatte ich eigentlich am 13.01. geschrieben, als ich noch in karimnagar war. er konnte aber wegen des bloeden internets dort nicht gepostet werden. Gott sei Dank speichert blogspot automatisch Entwuerfe, deswegen ist nichts davon verloren gegangen :)
Montag, 4. Januar 2010
Turbulenter Start ins neue Jahr...
Ich wuensche euch noch allen ein frohes neues Jahr 2010 und hoffe, dass ihr schoene Weihnachten hattet! Vom 21.12. bis heute war ich im Weihnachtsurlaub in Kerala. Es war wunderschoen. Ich habe mich dort mit den meisten anderen Volunteers getroffen, wir waren am Meer, haben eine Hausboot- Tour in Keralas Backwaters gemacht und in den Bergen, im Naturschutzgebiet, eine schoene Wanderung gemacht... Es war also sehr vielfaeltig.
Auf der Rueckfahrt hatten wir dafuer ein paar Probleme im Zug, wo wir von ein paar jungen Maennern gestoert wurden, von einem Betrunkenen belaestigt wurden und schliesslich von einigen fotografiert wurden, als wir schliefen, was wiederum einige Hindupilger so wuetend gemacht hat, dass sie diese Maenner verpruegelt haben und sie dazu gezwungen haben, sich bei uns zu entschuldigen und unsere Fuesse zu beruehren... Das war ziemlich schlimm fueruns, da uns die Maenner dann wirklich leid getan haben... Wenigstens wurde jetzt unsere Ehre wieder hergestellt und sie haben sie dann schliesslich auch in Ruhe gelassen, nachdem wir und ein paar Nonnen darum gebeten hatten. Ich schaetze mal, das ganze hatte eine ordentlich abschreckende Wirkung...
In Andhra Pradesh angekommen mussten wir leider feststellen, dass das fuers erste nicht die einzige "Turbulenz"im neuen Jahr bleiben sollte: Unsere Organisation hat jetzt auf die Unruhen reagiert und haelt es fuer das Beste, dass wir noch diese Woche die Einsatzstelle wechseln. Das beruhigt mich einerseits sehr, andererseits bin ich wirklichtraurig, denn gerade in der letzten Zeit vor Weihnachten ist das Verhaeltnis zu den Kindern immer besser und enger geworden und jetzt muessen wir wegen dieser bloeden politischen Unruhen fuer 1,5 Monatenochmal ganz neu anfangen und uns im Schnelldurchlauf von den Kindern verabschieden :(.
Ich werde wohl erst mal nihcts von mir hoerenlassen koennen, da es in den naechsten Tagen wieder zu gefaehrlich sein wird, das Haus zu verlassen und ich danach an einen mirbisher unbekannten Ort kommenwerde... Wundert euch also nicht, ich werde so schnell wie moeglich ausfuehrlich schreiben!
Alles Liebe!
Samstag, 19. Dezember 2009
Sonntag, 13. Dezember 2009
Telangana
So, hiermit melde ich mich wieder aus Karimnagar, wo sich die politische Lage etwas entschärft hat. Bis zum 10.12. hatten Caro und ich richtig Angst und durften kaum an einem Tag auf die Straße. Da ich versucht habe, mich bei möglichst vielen Menschen und im Internet über das Problem zu informieren, möchte ich euch auch einen kleinen Überblick geben. Der akute Auslöser der Demonstationen, Selbstmorde und des Vandalismus war der Politiker K. Chandrasekhar Rao (hier nur KCR genannt), der sich in den Hungerstreik begeben hat, um die seit langem geforderte Abspaltung von Telangana, dem nord- westlichen Teil Andhra Pradeshs, durchzusetzen. Der letzte große Aufstand diesbezüglich war wohl 1969 und seitdem ist dieses Thema immer mehr oder weniger präsent. KCR ist der Chef der Telangana- Partei, deren Ziel eben die Förderung dieses Teils von Andhra Pradesh ist. Warum genau die Trennung gefordert wird, weiß ich nicht. Soweit ich es verstanden habe, weil es als eigener Bundesstaat auch eigene Mittel vom Staat bekommen würde und damit gezielt aufgebaut werden könnte (Telangana ist der ärmste Teil Andhra Pradeshs mit sehr viel Landwirtschaft, aber unfruchtbaren Böden, großen Trockenheiten und daraus resultierenden Bauernselbstmorden). Im Moment fließen die Mittel von Andhra Pradesh nämlich anscheinend eher in die entwickelten Gebiete und die armen Menschen in Telangana fühlen sich von den Küstenbewohnern ausgebeutet. Die Bewegung wird hauptsächlich von Studenten getragen, die sehr viele Demonstrationen veranstaltet haben, die leider auch eskalierten… Das Auto vom Bischof wurde zum Beispiel Opfer von Vandalismus. Auf dem Nummernschild wurde das „AP“ (für Andhra Pradesh) durchgestrichen und darüber „TG“ geschrieben und auch sonst steht jetzt überall auf dem weißen Auto in allen möglichen Farben „KCR“, „TELANGANA“ und so weiter…
In den Tagen vor dem 10. wurde die Situation immer heftiger. Es haben sich immer mehr Menschen aus Verzweiflung umgebracht (die meisten haben sich mit Kerosin übergossen und dann angezündet, sich erhängt oder Pestizide geschluckt und von fast allen waren Bilder in den Zeitungen…). Außerdem haben sich der Bewegung auch die Kommunisten (von denen die Untergruppe der Maoisten hier sehr gefürchtet ist) und die Hindu- Nationalisten angeschlossen und die Gewalttaten haben zugenommen. Wohl deswegen, weil der Gesundheitszustand von KCR sich dramatisch verschlechtert hat- er hat nur eine Niere, hatte schon 11 Tage gefastet und die Ärzte haben ihm dringend dazu geraten, oral Nahrung aufzunehmen- und weil ein Studentenverband gedroht hat, das Parlament in Hyderabad zu stürmen, hat Sonia Gandhi aus Dehli zugesichert, sie würden sich dieser Frage annehmen. Damit wurden die Demonstrationen zumindest vorläufig zu Freudendemonstrationen. Sie muss sich nämlich so geäußert haben, dass die Menschen das schon als Zusage für die Trennung aufgefasst haben und so hat KCR seinen Hungerstreik mit einem traditionellen Zitronensaft beendet und die Menschen zünden auf den Straßen Feuerwerke und feiern. Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht...
Naechstes Mal kommt wieder ein etwas lustigerer Post ueber die Tiere im Hostel. Davon gibt es sehr viele und sie vollbringen zum Teil Aussergewoehnliches....