Freitag, 30. Oktober 2009






Leider will mich dieses bloede Internet hier keine weiteren Fotos hochladen lassen, dabei wollte ich so gerne ein Bild von mir im Sari zeigen :), aber naja. Dann eben wann anders.

Als ich gestern mailen wollte, war leider Stromausfall. Das hätte ich auch wissen können, denn zur Zeit wird jeden Tag für zweimal zwei Stunden alles abgeschaltet, weil bei den schlimmen Überschwemmungen ein Wasserkraftwerk kaputtgegangen ist und jetzt Strom gespart werden muss, aber leider habe ich nicht dran gedacht. So haben Caro und ich stattdessen einen netten Spaziergang durch die Stadt gemacht und ich bin um etliche Armreifen reicher wieder zurückgekommen. Ich bin total begeistert: Es gibt so viele in allen Farben und mit so vielen verschiedenen Verzierungen und sie sind dabei so günstig, dass ich mir richtig viele kaufen kann ;). Davon muss ich auch mal ein paar Fotos reinstellen… Abends hat uns Amma nochmal weggelassen, aber nur kurz, sodass ich nur das wichtigste erledigen konnte und ausserdem hat das Internet sowieso nicht so recht funktioniert...

Vorgestern bin ich von meinem Trip nach Khammam zurückgekommen. Dabei gab es schon bei der Hinfahrt einige Probleme: Zuerst wollte uns der Bischof fast nicht gehen lassen- wohl wegen eines Missverständnisses, denn wir dachten, seine Frau hätte es uns schon erlaubt- und war besorgt, dass man dort nicht wissen könnte, dass wir kommen und dass uns etwas passieren könnte. Wir konnten ihn aber überzeugen, dass alles wohl organisiert war. Am nächsten Morgen, als wir losfahren wollten (um 4.30 Uhr), kam dann der Bus nicht und als wir schon über eine halbe Stunde gewartet hatten, wurde uns mitgeteilt, dass der Bus kaputt sei und erst noch repariert werden müsse. Also haben wir dem Ticketverkäufer unsere Handynummer gegeben, sind wieder ins Bett gegangen und erst wieder gekommen, als er uns angerufen hat. Der Bus ist dann letztendlich um 7.30 Uhr losgefahren… Die Busfahrt war dafür wunderschön und überhaupt nicht langweilig. Wir haben am Straßenrand viele Felder mit Reis, Chili oder Baumwolle, Teakholzplantagen, kleine Dörfer mit Kommunistenzentren, abenteuerliche Baumwolltransporte auf kleinen Autorikschas, Kuhherden, die die Straße blockiert haben, und vieles mehr gesehen.

In Khammam wurden wir nett von Julia und Lena, den Freiwilligen, die dort in einem Polioheim sind, begrüßt. Auch alle Mitarbeiter, der Leiter und die Jugendlichen dort waren sehr lieb zu uns und wir haben gleich ein gutes Mittagessen bekommen, nachdem wir aber noch mal klarstellen mussten, dass wir vegetarisch essen. Denn das ist zwar in Indien allgemein weit verbreitet, aber bei Christen wird es nicht verstanden, da es üblicher Weise aus religiösen Gründen geschieht.

Nachmittags haben wir Lena geholfen, deutschen Kuchen zu backen, den sie an ihrem Geburtstag verteilen wollte, er ist aber ein bisschen merkwürdig in der Konsistenz geworden, da die Kuchenform mit Deckel einfach auf einer Schale mit Sand auf den Gasherd gestellt wurde. Trotzdem hat er am nächsten Tag recht lecker geschmeckt. Meiner Meinung immer noch besser als der pappsüße Kuchen, den wir Lena zum Spaß geschenkt haben. Ich habe gestern schon ein Foto reingestellt. Die Kuchen hier sehen alle so wunderbar kitschig aus, aber sie schmecken genau so süß. Abends haben die Mädchen im Polioheim Lena und Julia die Hände wunderschön mit Henna bemalt. Am nächsten Morgen wollten wir eigentlich mit einem Sozialarbeiter in ein Dorf fahren, um dort behinderte Kinder zu besuchen (sie werden zu hause therapiert), leider ist das aber ausgefallen, dafuer haben wir in einem Supermarkt in Khammam Spaghetti und Tomatenkonserven bekommen :) Das war auch sehr gut. Am kommenden Tag haben wir einen langen Ausflug gemacht, auf dem wir ein paar tolle Tempel gesehen haben und den wunderschoenen Godavari- Fluss, auf dem wir bei Sonnenuntergang eine Bootsfahrt gemacht haben... Traumhaft! Ausserdem waren wir in einem Kohlekraftwerk (ich hatte ziemlich Angst, dass ich nicht mehr rauskomme) und wir mussten dauernd anhalten, weil irgendwelche Kuhherden auf der Strasse unterwegs waren. Mr. Prapaka, der Leiter des Heims in Khammam hat uns so viel zu Essen gekauft, dass wir kaum mehr laufen konnten und auf ein Abendessen ganz verzichten mussten ;), aber jetzt habe ich dafuer eine neue Lieblingssuessigkeit, von der ich Tonnen nach Deutschland importieren muss. Sie heisst Soan Papdi und besteht aus Zuckerfaeden, die ganz leicht aufeinander geschichtet sind und ist mit Kardamom gewuerzt und mit greoesteten Mandeln und Pistazien garniert... Njamnjamnjam ;).

Im Bus auf der Rueckfahrt war ein Mann, der sich beaengstigend gut mit dem drittenReich auskannte und "mein Kampf" gelesen hatte, was man hier im Buchladen kaufen kann- ich habe es selbst in Chennai gesehen. Er hat uns alles moegliche erzaehlt und meinte, wir muessten mehr ueber das dritte Reich lesen...

Als wir angekommen sind, habe ich in Karimnagar ein archaeologisches Museum entdeckt und ich freue mich jetzt schon riesig darauf, da mal hinzugehen, obwohl Caro mich leider nicht begleiten moechte.

Gestern in der Stadt habe ich ploetzlich bemerkt, dass wir hinter zwei bewaffneten Maennern gelaufen sind (sie hatten grosse Gewehre, die ich jetzt am ehesten fuer Jagdgewehre gehalten haette- Banause) und kurz danach, dass vor ihnen noch zwei Maenner mit Handschellen waren. Ich haette es gerne fotografiert, weil es irgendwie wirklich skurril war. Keiner hat etwas gesagt, die bewaffneten hatten keine Uniform oder sowas und einer ist dann sogar stehen geblieben, waehrend die gefesselten Maenner sich unterhalten haben... Echt seltsam!

Als Freizeitprogramm haben wir gestern Mandalas gemalt und es war ein bisschen schwierig, weil die Maedchen irgendwie so eine Art Schnelligkeitswettbewerb gemacht haben und nicht ganz den meditativen Zug des Mandala- Malens begriffen haben. Sie haben alle keine Farbstifte, deswegen hatten wir vormittags vier Paeckchen gekauft und sie haben es geschafft, sie sich zu 40st zu teilen! Das fand ich beeindruckend. Ausserdem wollten alle ihr Mandala abgeben, als sie fertig waren und sie haben sich voellig begeistert bedankt, als ich ihnen gesagt habe, dass es ihres ist und sie es behalten duerfen. Das hat mich auch ueberrascht. Vielleicht ist das in der Schule so...

Vorher wusste ich noch irgendwas, was ich unbedingt schreiben wollte, aber jetzt ist es mir gerade entfallen. Deswegen werde ich den Post hier mal beenden und ein anderes Mal weiterschreiben. Ich freue mich sehr, wenn ihr meinen Blog lest und auch ueber Fragen, die ich dann zu beantworten versuche.

Liebste Gruesse!

Ok, vielleicht geht es doch mit den Fotos.. Also: Einmal ich im Sari, der afrikanische Zirkus, tote Fische mit kleinem Kind und Jesus in Khammam, "Ice-Craem" und das einfachste Klo, das ich je gesehen habe- dafuer aber bei einer sehr netten Pfarrersfamilie auf dem Land (falls sich jemand fragt, was genau das Klo ist: Das Abflussloch am Boden...)



Ok, ich entschuldige mich hiermit fuer das Layout des letzten Posts. Keine Ahnung, warum es das immer wieder verstellt hat. Ich war es nicht (es sei denn ich war zu bloed, die Technik zu verstehen...) Jetzt noch ein paar Bilder, dann folgt ein Bericht:

Donnerstag, 29. Oktober 2009

So ein Aerger. Heute klappt es leider gar nicht mit der Technik. Alles, was ich gerade geschrieben hatte, wurde geloescht. Deswegen morgen mehr. Nur soweit: Mir geht es gut und ich habe viel schoenes erlebt! Hier ein paar Fotos:





Lenas original-indischer Geburtstagskuchen


ein Obststand auf dem Weg zum Bischofshaus



eine nette Familie, die uns zu Deepavali eingeladen hat



lustiges Englisch, das ich in der Schule unterrichten sollte






































































Anusha :) mit Puder...

Samstag, 24. Oktober 2009

Ich hoffe mal, mein letzter Bericht wurde gepostet, ich konnte naemlich gerade gar nichts davon sehen, aber hier spinnt das Internet sowieso. Die haelfte von meiner Zeit habe ich heute schon mit Warten verbracht... Naja, dafuer kostet das ganze pro Stunde nur 15 Rupien, da kann man auch mal laenger bleiben.
Mir geht es jetzt Gott sei Dank viel besser. Ich muss heute noch Antibiotika nehmen, dann bin ich aber fertig und werde mich hoffentlich wieder ganz erholen (die Antibiotika machen mich naemlich muede und so).
Vorgestern haben die Maedels mir meine Arme mit Henna angemalt (naechstes Mal kommt ein Foto, ich konnte sie noch nicht hochladen), nachdem sie mich ewig damit genervt haben und gestern war der Geburtstag der Bischofsfrau. Sie ist Schirmherrin von vielen sozialen Einrichtungen der Kirche hier und deswegen war an diesem Tag auch das jaehrliche Treffen des "Women's Fellowship" in Jagtial, bei dem auch ein neues Girls' Hostel eroeffnet wurde. Caro und ich sollten auch hingehen und zu diesem Zweck puenktlich um 7.30 Uhr am Bischofshaus losfahren, wie die Bishop Amma (Frau vom Bischof) mehrfach betont hat. Als wir dann um 7.00 Uhr wie verabredet bei uns am Haus gewartet haben, hat es noch bis nach 7.30 Uhr gedauert, bis die Frauen kamen, die uns abholen wollten und beim Bischof angekommen sind wir auch nicht gleich losgefahren, sondern haben erst noch leckeren deutschen Kuchen von der Bishop Amma bekommen, ihr ein Geburtstagslied gesungen, gebetet... Jedenfalls war es 8.15 Uhr, als wir losgefahren sind und ich glaube, Caro und ich sollten dazu uebergehen, auch immer eine halbe Stunde zu spaet zu kommen :).
Das Fest war eigentlich sehr schoen, ich habe es genossen, auch wenn wieder ein Gottesdienst mit sehr grossem Wortbeitrag stattgefunden hat, was fuer uns mit unseren mageren Sprachkenntnissen natuerlich eher ungeschickt ist. Ich habe aber die 3,5 Stunden brav ausgehalten (wir wurden in die erste Reihe dirigiert, sodass ich wirklich wach aussehen musste) und es war auch wieder sehr nett, zu sehen, wie einige Menschen geehrt werden. Zu diesem Zweck gibt es hier schoene Wollschals, die einem dann umgehaengt werden (ich habe auch schon zwei, denn Caro und ich werden ueberall als Ehrengaeste behandelt, obwohl wir gar nichts besonderes gemacht haben... Wir muessen uns entschieden dagegen wehren, was der Bischof ueber uns gesagt hat: "They came from heaven to earth" (in Bezug auf die Lebensverhaeltnisse in den jeweiligen Laendern). Das hat mich wirklich geschockt, denn natuerlich ist es in Deutschland, wo wir immer fliessendes, warmes Wasser und Elektrizitaet haben, luxurioeser, aber sonst empfinde ich die Unterschiede nicht als so gross...). Oh, das war eine lange Klammer^^. Nach dem Gottesdienst haben wir Blumen geschenkt bekommen und wir wurden dauernd fotografiert. Wir hatten aber auch zum ersten Mal unsere Saris an und darueber haben sich viele Menschen besonders gefreut. Saris sind relativ bequem, aber wenn man den ganzen Tag einen getragen hat, freut man sich auch wieder ueber etwas mit mehr Bewegungsfreiheit. Ich jedenfalls ;). Bei dem Fest gab es sehr leckeres Essen- was bei uns im Hostel ja leider nicht immer der Fall ist- und es war schoen, einige bekannte Menschen wiederzusehen- so langsam sind wir nicht mehr ganz neu hier. Besonders gern mag ich Carol, eine junge Aerztin, die in einem Hostel in einem kleinen Dorf arbeitet. Sie haelt heute einen Vortrag auf der Veranstaltung und war deswegen dort. Sie hat mich auch behandelt, als ich die Bauchgrippe hatte, weil sie an diesem Tag zufaellig beim Bischof war. Vielleicht koennen wir sie mal besuchen, sie hat sehr von diesem Ort geschwaermt und sie ist ein so netter Mensch...
Nachmittags wurde dann noch eine Rede gehalten und die Bishop Amma zu ihrem Geburtstag geehrt. Caro und ich mussten vor allen Leuten "Viel Glueck und viel Segen" singen, was recht gut geklappt hat, ich war nicht mal aufgeregt. Vielleicht liegt es daran, dass es hier anscheinend normal ist, etwas aufzufuehren, wenn man es ein bisschen kann. Bei vielen Veranstaltungen werden wir gebeten, einen "special song" zu singen und auch gestern in der Kirche waren wir nicht die einzigen. Viele Frauen haben die Gelegenheit ergriffen, als man wegen technischer Probleme kurz warten mussten und es wird hier auch ganz anders gehandhabt als bei uns, wo man vielleicht Angst haette, sich zu blamieren. Keiner lacht, alle freuen sich irgendwie und wenn es nicht so gut war, ist es auch egal. Hauptsache, es macht Spass- so kommt es mir vor.
Nach der Kirche haben uns viele Kinder und Frauen angesprochen, eine Frau hat uns sogar regelrecht abgeknutscht, was mir ein bisschen unangenehm war, aber sei's drum. Am suessesten fand ich einen altklugen Jungen, der mit den Worten "May I introduce myself, my name is..." zu uns kam, da musste ich mich ein bisschen zusammenreissen, aber er war wirklich gluecklich, sein Englisch erproben zu koennen und das war fuer die achte Klasse sehr gut.
Caro und ich sind dann abends zusammen mit zwei anderen Frauen mit dem Bus heimgefahren.
Auf der Hinfahrt hatte ich mich gewundert, warum in einer indischen Kleinstadt, die mehr oder weniger in der Pampa liegt, denn Andhra Pradesh ist einer der laendlichsten indischen Bundesstaaten, Afrikaner rumlaufen und abends habe ich die Antwort gefunden: Auf den "Atos" (Auto- Rickshaws) klebten ueberall Plakate fuer einen afrikanischen Zirkus... Warum der wohl ausgerechnet in Jagtial auftritt?
Als wir endlich zu hause waren, war ich todmuede, obwohl es erst halb 8 war. Es gab aber nichts zu essen, weil die Frau des Pfarrers, die das Essen fuer die Kinder rationiert, auch auf dem Fest war, das regulaer heute noch weitergeht, und den Schluessel nicht dagelassen hat. Die Maedchen hatten deswegen den ganzen Tag (und heute) nur Reis zu essen. Ich hoffe, dass sich nachher eine Loesung findet, aber mittags essen sie sowieso in der Schule. Die nette Frau, die mit uns Bus gefahren ist, hat Caro und mir dann ein leckeres Dhal mit Chapatis gebracht, was uns beiden sehr gut getan hat. Heute Mittag essen wir einfach Reis mit Joghurt- den haben wir heute morgen angesetzt- und ausserdem haben wir noch ein paar Aepfel.
Zur Zeit planen wir mit den anderen Freiwilligen unseren Weihnachtsurlaub in Kerala- vielen Dank an dieser Stelle fuers Organisieren, Felix, Pauline und Andrea!- und Caro und ich muessen mit den beiden anderen Andhra- Freiwilligen noch die Reisemethode austuefteln, da wir die laengste Anreise haben :(. Aber das werden wir schon hinkriegen, wahrscheinlich werden wir einfach eine Strecke fliegen, da wir mit Bus und Zug ewig (ueber 24 Stunden auf jeden Fall, dafuer mit nur zweinmal Umsteigen) unterwegs sind.
Die Situation mit dem Wasser wurde vor einigen Tagen immer schlechter: Wir hatten teilweise nicht mal einmal am Tag fliessend Wasser, so dass wir es auch nicht in Eimern auffangen konnten, und mussten deswegen gruenliches Brunnenwasser verwenden(zum Duschen kein Problem, aber fuer das Gesicht war es mir nicht so lieb. Da bin ich wohl verwoehnt ^^), aber jetzt wurde anscheinend die Pumpe repariert und gestern und heute hat das Wasser einwandfrei getan. Deswegen hat Caro gleich unser Bad geputzt und wir haben einiges gewaschen. Dafuer haben wir zur Zeit zweimal am Tag ca. zwei Stunden Stromausfall, der Bischof hat mir aber erklaert, dass das eine Sparmassnahme ist, da durch die Ueberschwemmungen ein grosses Wasserkraftwerk zerstoert wurde und noch nicht repariert werden konnte. Da wir jetzt die Zeiten wissen, koennen wir uns auch darauf einstellen und es ist ueberhaupt kein Problem.
Morgen werden wir um 4.30 Uhr mit dem Bus nach Khammam fahren, um Julia und Lena, zwei andere Freiwillige, zu besuchen. Dort wollen wir ein paar Ausfluege machen und ein Bergwerk besichtigen, ausserdem hat Lena Geburtstag. Ich hoffe, die Tage bis Mittwoch werden schoen und alles klappt wie vorgesehen. Ein Bericht darueber folgt auf jeden Fall.
Bis dahin wuensche ich euch alles Gute und eine schoene Zeit, wo ihr auch immer seid und was ihr auch immer macht. Liebe Gruesse!

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Sooo, hier kommt mein zweiter Bericht aus Karimnagar. In der Zwischenzeit bin ich seit zwei Wochen hier und ich lerne die Stadt immer besser kennen.
Diese Woche hatten Carolin und ich sehr viel Zeit, weil die Mädchen jeden Tag Examen geschrieben haben und wir somit nur zu den Lernzeiten da sein mussten. Der Mittwoch war der einzige Tag, an dem wir auch mit ihnen gespielt haben, weil die armen sonst sehr viel lernen mussten. Sie haben aber gesagt, dass bisher alles gut gelaufen sei. Das kann ich mir- zumindest bei Englisch- fast nicht vorstellen, denn leider verstehen die Mädchen das ausnahmslos nur sehr, sehr schlecht… Aber wahrscheinlich sind die Examen an den Unterricht angepasst, der sehr viel aus Abschreiben und Auswendiglernen besteht.
Jetzt kennen Caro und ich den Supermarkt, der hier wohl das größte Sortiment hat (ein noch besserer muss erst vor Kurzem geschlossen haben), das hübsche Einkaufsviertel, in dem es einige schöne Moscheen, einen Tempel, viele muslimische Häuser mit Blumenornamenten und viele Juweliere gibt, das Internetcafé und den gemütlichen kleinen Lebensmittelmarkt, wo wir uns gutes Obst gekauft haben.
Nachdem die Mädchen schon seit einigen Tagen Husten, Schnupfen und teilweise auch Fieber hatten, ist Caro am Donnerstag auch richtig krank geworden. Ich habe mich auch nicht sehr gut gefühlt, Halsweh und Kopfweh bekommen, aber immerhin bin ich nicht richtig krank geworden. Am Freitag haben wir- Caro hatte Lust auf ein vertrautes Essen- versucht, Nudeln mit Tomatensoße zu kochen. Das ist aber leider nicht ganz so geworden, wie wir uns es vorgestellt hatten. Die Nudeln, die wir auf dem Markt gekauft hatten, haben einen seltsamen Eigengeschmack entwickelt, haben ihre Form verloren und sind sehr klebrig geworden und die Soße (Tomatensuppe aus dem Päckchen, weil Caro keine gekochten Tomaten mag) hat erstaunlich indisch geschmeckt :D. Ich konnte leider kaum etwas davon essen, weil mir davon schlecht geworden ist, aber es war auch lustig… Vom Essen her werden wir hier nicht gerade verwöhnt. Nett ist, dass wir immer extra Gemüse bekommen, weil Amma („Mutter“= die Leiterin des Hostels) denkt, wir könnten nicht das scharfe Essen der Mädchen vertragen, für mich geht das aber meistens schon. Außerdem gibt es zwei Mädchen, die es sich nicht nehmen lassen, jeden Abend nur für uns Chapati (eine Art Pfannkuchen aus Vollkornmehl, Wasser und ein bisschen Öl) zuzubereiten. Ansonsten ist das Essen aber meistens eher karg. Es besteht fast immer aus Reis und einem Curry, in dem eher wenig Gemüse ist. Wir sind jetzt deswegen dazu übergegangen, einmal am Tag Joghurt zu essen, das wir selbst aus gekochter Milch und einem Rest Joghurt zubereiten. Zum Frühstück haben Caro und ich uns Cornflakes gekauft, falls es mal etwas gibt, was wir gar nicht mögen. Meistens gibt es aber Upma, was ich sehr gerne mag. Es besteht aus irgendeinem körnigen Getreide, das mit Wasser, Chili, Kreuzkümmel und anderen Gewürzen aufgekocht wird. An einem Tag gab es „pressed Rice“ und da waren wir beide sehr froh über die Cornflakes. Ich hatte aber auch den Eindruck, dass die meisten Mädchen das nicht soooo lecker fanden. Einmal in der Woche gibt es Idli, eine Art Küchlein aus zerkleinertem Reis und Kokos. Für die Mädchen ist das etwas Besonderes und ich mag es auch gerne, wenn es dazu ein Chutney gibt, aber Caro und viele andere Freiwillige mögen es überhaupt nicht. Weil es eben nicht so wahnsinnig reichhaltig ist, kaufen Caro und ich uns recht oft Obst, damit wir mit den Vitaminen versorgt werden. Amma hat uns erzählt, dass für jedes Kind 500 Rupien zur Verfügung stehen (ca. 7- 8 Euro) und davon kann man sich natürlich nicht besonders tolles Essen leisten. Hauptsache, den Kindern geht es damit besser als daheim, denn dort würden sie wahrscheinlich zum Großteil nicht dreimal täglich eine Mahlzeit bekommen.
Ich bin sehr froh, dass ich überhaupt wieder schreiben kann, denn mein Laptop hat irgendwie einen Wackelkontakt und deswegen funktionieren einige wichtige Tasten sehr oft nicht und im Internetcafé kann man natürlich nicht so gut schreiben und da habe ich auch nicht so viel Zeit. Als ich das letzte Mal da war, ist natürlich prompt der Strom ausgefallen, nachdem ich eine Mail schon ziemlich weit hatte, aber das gehört eben dazu ;). Am Donnerstagabend (es wird ja schon um 18.00 Uhr dunkel) saßen wir auch sehr romantisch mit Kerzen in unserem Zimmer und haben gelesen… Dafür haben wir jetzt regelmäßiger Wasser, was auch ganz geschickt ist. Dass das nicht klappen könnte, habe ich, bevor ich hier war, natürlich auch nicht gedacht, aber es ist vielleicht gar nicht schlecht, auch mal die Erfahrung zu machen, dass das Wasser nicht unbegrenzt ist.
Mit der Umwelt wird hier natürlich ganz anders umgegangen als in Deutschland. Wir haben uns gleich diese 20Liter- Wasserkanister gekauft, um nicht so viel Plastikmüll zu verursachen, aber unseren normalen Müll werfen wir- so gewöhnungsbedürftig es ist- einfach um die Ecke hinter das Schulhaus. Als ich neulich dort war, hat ein fettes wildes Hausschwein mit einer gruseligen Verletzung im Gesicht dort schon auf den Müll gewartet und sich gleich auf die Tüte gestürzt. Diese Schweine sind anscheinend ein echtes Problem: Weil sie sich zu sehr vermehren, werden sie von ihren Besitzern ausgesetzt und sie leben dann auf der Straße, bzw. leider auch bei uns im Innenhof (wir sind auf einem relativ großen Gelände gemeinsam mit der Kirche, einigen Wohnhäusern von Kirchenangestellten und Lehrern, der Grundschule, der Highschool, dem College und einem Wohnheim für die College- Studenten). Amma hat uns gesagt, dass das auch sehr gefährlich ist, weil die Schweine zur Ausbreitung von verschiedenen Krankheiten, wie Dengue- Fieber oder Japanischer Enzephalitis, beitragen.
Ich vermisse meine Hobbies hier sehr. Ich würde unglaublich gerne mal Geige üben oder tanzen, denn im Moment kann ich höchstens zeichnen und dabei werde ich immer von den Kindern beobachtet, so dass ich nicht besonders weit komme. Sie wollen dann nämlich immer irgendwas in ihre Hefte gezeichnet haben- meistens einen „Christmastree“, „Christmasgrandfather“, „Butterfly“, „Horse“, „Girl“ oder „Dog“. Diese Wörter können sie immerhin ;). Ich habe deswegen Amma gefragt, ob sie denkt, ich könnte hier einen Tanzlehrer finden, am liebsten für traditionellen indischen Tanz und sie meinte, das dürfte möglich sein. Das fände ich wirklich klasse! Sport kann man hier nämlich auch nicht so richtig machen: Es ist zum einen zu warm und zum anderen würde das sehr viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Wir machen mit den Mädchen schon oft Bewegungsspiele, aber das ist auch nur eingeschränkt möglich und selbst im Hof gibt es noch genügend Menschen, die dann komisch schauen. Davon lassen wir uns aber natürlich nicht irritieren.
Wir haben hier aber auch schon echt lustiges erlebt: Als es uns am Donnerstag beiden nicht gut ging, wollte uns Amma, fürsorglich wie sie ist, Fruchtsaft kaufen. Bei der Bäckerei gab es allerdings keinen und so hat sie uns vom „Women’ s Fellowship“ zubereiteten Traubensaft mitgebracht (dachte sie). Als wir den dann aufgemacht hatten und ihn trinken wollten, roch er aber so vergoren und tatsächlich stand auf der Flasche, dass es nicht „grape- juice“ sondern „grape- cordial“ (Likör) für die „holy communion“ war… Wir haben so gelacht… Natürlich haben wir den guten Saft dann zum Großteil getrunken (Gott sei Dank war es nur eine kleine Flasche), denn Alkohol desinfiziert ja auch und bei Halsschmerzen soll man auch mit Rotwein gurgeln…
Gestern wurde ich außerdem, als ich vom Einkaufen zurück kam, von einigen Kindern im Schulhof (unser Hostel liegt neben der Schule im Innenhof der Wesley Cathedral) angehalten, die mir die paar englischen Fragen stellen wollten, die sie beherrschen. Natürlich haben sie mal wieder gefragt, ob ich aus Amerika komme und dann haben sie mich gebeten, ihnen Autogramme zu geben… Ich habe mich gefühlt wie im falschen Film :D.
Der Bericht ist vom 18.10. . In der Zwischenzeit ist nicht mehr sehr viel passiert, abgesehen davon, dass Dipavali war und deswegen das Internetcafe mehrere Tage geschlossen hatte und dass ich meine erste schwere Bauchkrankheit mit Antibiotika und allem drum und dran bekommen habe. Ich fuehle mich jetzt immer noch krank, aber wenigstens ist das Schlimmste vorbei (hoffe ich...). Ich denke bis zum naechsten Eintrag wird es hoffentlich nicht ganz so lange dauern ;).

Montag, 12. Oktober 2009









Hallo ihr Lieben :)
Jetzt finde ich endlich Zeit, mal mit dem Blog zu beginnen. In Karimnagar ist es gar nicht so einfach ins Internet zu kommen. Als ich es vorher versucht habe, war prompt Stromausfall... Sonst ist es aber sehr schoen hier. Ich bin jetzt seit etwa einer Woche hier und die Maedchen haben mich und Caro schon voll und ganz aufgenommen, sie freuen sich, wenn sie uns was helfen koennen (was uns meistens eher unangenehm ist) und sie nennen uns immer "Sister". Das liegt daran, dass es hier ueblich ist, Maedchen, die nur ein paar Jahre aelter sind, "Akka"(grosse Schwester), zu nennen.
Ich stehe jeden Morgen um 6.00 Uhr auf, um ab 7.00 Uhr die Study- Time zu ueberwachen. Da kann ich den Maedchen mit ihren Mathe- oder Englisch- Hausaufgaben helfen. Ich war am Anfang wirklich geschockt, dass sie so schlecht Englisch sprechen und das hat meinen Entschluss gefestigt, Telugu zu lernen. Ich gebe mir Muehe :P, aber es ist schwierig...
Bisher habe ich zweimal in der Schule unterrichtet. Es war zwar sehr anstrengend, aber auch eine sehr positive Erfahrung, da ich ohne "Ueberwachung" eines Lehrers unterrichtet habe und deswegen sehr frei in den Methoden war. Bei der vierten Klasse, der ich Englisch- Unterricht gegeben habe, konnte ich schon nach einem Tag eine Verbesserung ihrer Lese- Kenntnisse wahrnehmen, was daran liegt, dass die gaengige Unterrichtsmethode hier Nachsprechen und Auswendiglernen lassen ist (teilweise eben leider ohne dass die Kinder es verstehen oder lesen koennen...). Nach der Schule habe ich frei und erst um 17.00 Uhr gestalte ich wieder eine Stunde mit Spielen. Danach ist wieder Study- Time und meistens bin ich froh, wenn ich sehr bald nach dem Abendessen ins Bett gehen kann, da ich immer sehr muede bin...
Ein neuer Eintrag kommt bald!
Uebrigens weiss ich natuerlich, dass ich nur ein halbes Jahr unterwegs bin, aber der Titel ist ja nur fuer euch alle, die ihr euch den Namen so besser merken koennt :P