Ich hoffe mal, mein letzter Bericht wurde gepostet, ich konnte naemlich gerade gar nichts davon sehen, aber hier spinnt das Internet sowieso. Die haelfte von meiner Zeit habe ich heute schon mit Warten verbracht... Naja, dafuer kostet das ganze pro Stunde nur 15 Rupien, da kann man auch mal laenger bleiben.
Mir geht es jetzt Gott sei Dank viel besser. Ich muss heute noch Antibiotika nehmen, dann bin ich aber fertig und werde mich hoffentlich wieder ganz erholen (die Antibiotika machen mich naemlich muede und so).
Vorgestern haben die Maedels mir meine Arme mit Henna angemalt (naechstes Mal kommt ein Foto, ich konnte sie noch nicht hochladen), nachdem sie mich ewig damit genervt haben und gestern war der Geburtstag der Bischofsfrau. Sie ist Schirmherrin von vielen sozialen Einrichtungen der Kirche hier und deswegen war an diesem Tag auch das jaehrliche Treffen des "Women's Fellowship" in Jagtial, bei dem auch ein neues Girls' Hostel eroeffnet wurde. Caro und ich sollten auch hingehen und zu diesem Zweck puenktlich um 7.30 Uhr am Bischofshaus losfahren, wie die Bishop Amma (Frau vom Bischof) mehrfach betont hat. Als wir dann um 7.00 Uhr wie verabredet bei uns am Haus gewartet haben, hat es noch bis nach 7.30 Uhr gedauert, bis die Frauen kamen, die uns abholen wollten und beim Bischof angekommen sind wir auch nicht gleich losgefahren, sondern haben erst noch leckeren deutschen Kuchen von der Bishop Amma bekommen, ihr ein Geburtstagslied gesungen, gebetet... Jedenfalls war es 8.15 Uhr, als wir losgefahren sind und ich glaube, Caro und ich sollten dazu uebergehen, auch immer eine halbe Stunde zu spaet zu kommen :).
Das Fest war eigentlich sehr schoen, ich habe es genossen, auch wenn wieder ein Gottesdienst mit sehr grossem Wortbeitrag stattgefunden hat, was fuer uns mit unseren mageren Sprachkenntnissen natuerlich eher ungeschickt ist. Ich habe aber die 3,5 Stunden brav ausgehalten (wir wurden in die erste Reihe dirigiert, sodass ich wirklich wach aussehen musste) und es war auch wieder sehr nett, zu sehen, wie einige Menschen geehrt werden. Zu diesem Zweck gibt es hier schoene Wollschals, die einem dann umgehaengt werden (ich habe auch schon zwei, denn Caro und ich werden ueberall als Ehrengaeste behandelt, obwohl wir gar nichts besonderes gemacht haben... Wir muessen uns entschieden dagegen wehren, was der Bischof ueber uns gesagt hat: "They came from heaven to earth" (in Bezug auf die Lebensverhaeltnisse in den jeweiligen Laendern). Das hat mich wirklich geschockt, denn natuerlich ist es in Deutschland, wo wir immer fliessendes, warmes Wasser und Elektrizitaet haben, luxurioeser, aber sonst empfinde ich die Unterschiede nicht als so gross...). Oh, das war eine lange Klammer^^. Nach dem Gottesdienst haben wir Blumen geschenkt bekommen und wir wurden dauernd fotografiert. Wir hatten aber auch zum ersten Mal unsere Saris an und darueber haben sich viele Menschen besonders gefreut. Saris sind relativ bequem, aber wenn man den ganzen Tag einen getragen hat, freut man sich auch wieder ueber etwas mit mehr Bewegungsfreiheit. Ich jedenfalls ;). Bei dem Fest gab es sehr leckeres Essen- was bei uns im Hostel ja leider nicht immer der Fall ist- und es war schoen, einige bekannte Menschen wiederzusehen- so langsam sind wir nicht mehr ganz neu hier. Besonders gern mag ich Carol, eine junge Aerztin, die in einem Hostel in einem kleinen Dorf arbeitet. Sie haelt heute einen Vortrag auf der Veranstaltung und war deswegen dort. Sie hat mich auch behandelt, als ich die Bauchgrippe hatte, weil sie an diesem Tag zufaellig beim Bischof war. Vielleicht koennen wir sie mal besuchen, sie hat sehr von diesem Ort geschwaermt und sie ist ein so netter Mensch...
Nachmittags wurde dann noch eine Rede gehalten und die Bishop Amma zu ihrem Geburtstag geehrt. Caro und ich mussten vor allen Leuten "Viel Glueck und viel Segen" singen, was recht gut geklappt hat, ich war nicht mal aufgeregt. Vielleicht liegt es daran, dass es hier anscheinend normal ist, etwas aufzufuehren, wenn man es ein bisschen kann. Bei vielen Veranstaltungen werden wir gebeten, einen "special song" zu singen und auch gestern in der Kirche waren wir nicht die einzigen. Viele Frauen haben die Gelegenheit ergriffen, als man wegen technischer Probleme kurz warten mussten und es wird hier auch ganz anders gehandhabt als bei uns, wo man vielleicht Angst haette, sich zu blamieren. Keiner lacht, alle freuen sich irgendwie und wenn es nicht so gut war, ist es auch egal. Hauptsache, es macht Spass- so kommt es mir vor.
Nach der Kirche haben uns viele Kinder und Frauen angesprochen, eine Frau hat uns sogar regelrecht abgeknutscht, was mir ein bisschen unangenehm war, aber sei's drum. Am suessesten fand ich einen altklugen Jungen, der mit den Worten "May I introduce myself, my name is..." zu uns kam, da musste ich mich ein bisschen zusammenreissen, aber er war wirklich gluecklich, sein Englisch erproben zu koennen und das war fuer die achte Klasse sehr gut.
Caro und ich sind dann abends zusammen mit zwei anderen Frauen mit dem Bus heimgefahren.
Auf der Hinfahrt hatte ich mich gewundert, warum in einer indischen Kleinstadt, die mehr oder weniger in der Pampa liegt, denn Andhra Pradesh ist einer der laendlichsten indischen Bundesstaaten, Afrikaner rumlaufen und abends habe ich die Antwort gefunden: Auf den "Atos" (Auto- Rickshaws) klebten ueberall Plakate fuer einen afrikanischen Zirkus... Warum der wohl ausgerechnet in Jagtial auftritt?
Als wir endlich zu hause waren, war ich todmuede, obwohl es erst halb 8 war. Es gab aber nichts zu essen, weil die Frau des Pfarrers, die das Essen fuer die Kinder rationiert, auch auf dem Fest war, das regulaer heute noch weitergeht, und den Schluessel nicht dagelassen hat. Die Maedchen hatten deswegen den ganzen Tag (und heute) nur Reis zu essen. Ich hoffe, dass sich nachher eine Loesung findet, aber mittags essen sie sowieso in der Schule. Die nette Frau, die mit uns Bus gefahren ist, hat Caro und mir dann ein leckeres Dhal mit Chapatis gebracht, was uns beiden sehr gut getan hat. Heute Mittag essen wir einfach Reis mit Joghurt- den haben wir heute morgen angesetzt- und ausserdem haben wir noch ein paar Aepfel.
Zur Zeit planen wir mit den anderen Freiwilligen unseren Weihnachtsurlaub in Kerala- vielen Dank an dieser Stelle fuers Organisieren, Felix, Pauline und Andrea!- und Caro und ich muessen mit den beiden anderen Andhra- Freiwilligen noch die Reisemethode austuefteln, da wir die laengste Anreise haben :(. Aber das werden wir schon hinkriegen, wahrscheinlich werden wir einfach eine Strecke fliegen, da wir mit Bus und Zug ewig (ueber 24 Stunden auf jeden Fall, dafuer mit nur zweinmal Umsteigen) unterwegs sind.
Die Situation mit dem Wasser wurde vor einigen Tagen immer schlechter: Wir hatten teilweise nicht mal einmal am Tag fliessend Wasser, so dass wir es auch nicht in Eimern auffangen konnten, und mussten deswegen gruenliches Brunnenwasser verwenden(zum Duschen kein Problem, aber fuer das Gesicht war es mir nicht so lieb. Da bin ich wohl verwoehnt ^^), aber jetzt wurde anscheinend die Pumpe repariert und gestern und heute hat das Wasser einwandfrei getan. Deswegen hat Caro gleich unser Bad geputzt und wir haben einiges gewaschen. Dafuer haben wir zur Zeit zweimal am Tag ca. zwei Stunden Stromausfall, der Bischof hat mir aber erklaert, dass das eine Sparmassnahme ist, da durch die Ueberschwemmungen ein grosses Wasserkraftwerk zerstoert wurde und noch nicht repariert werden konnte. Da wir jetzt die Zeiten wissen, koennen wir uns auch darauf einstellen und es ist ueberhaupt kein Problem.
Morgen werden wir um 4.30 Uhr mit dem Bus nach Khammam fahren, um Julia und Lena, zwei andere Freiwillige, zu besuchen. Dort wollen wir ein paar Ausfluege machen und ein Bergwerk besichtigen, ausserdem hat Lena Geburtstag. Ich hoffe, die Tage bis Mittwoch werden schoen und alles klappt wie vorgesehen. Ein Bericht darueber folgt auf jeden Fall.
Bis dahin wuensche ich euch alles Gute und eine schoene Zeit, wo ihr auch immer seid und was ihr auch immer macht. Liebe Gruesse!
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