Mittwoch, 21. Oktober 2009

Sooo, hier kommt mein zweiter Bericht aus Karimnagar. In der Zwischenzeit bin ich seit zwei Wochen hier und ich lerne die Stadt immer besser kennen.
Diese Woche hatten Carolin und ich sehr viel Zeit, weil die Mädchen jeden Tag Examen geschrieben haben und wir somit nur zu den Lernzeiten da sein mussten. Der Mittwoch war der einzige Tag, an dem wir auch mit ihnen gespielt haben, weil die armen sonst sehr viel lernen mussten. Sie haben aber gesagt, dass bisher alles gut gelaufen sei. Das kann ich mir- zumindest bei Englisch- fast nicht vorstellen, denn leider verstehen die Mädchen das ausnahmslos nur sehr, sehr schlecht… Aber wahrscheinlich sind die Examen an den Unterricht angepasst, der sehr viel aus Abschreiben und Auswendiglernen besteht.
Jetzt kennen Caro und ich den Supermarkt, der hier wohl das größte Sortiment hat (ein noch besserer muss erst vor Kurzem geschlossen haben), das hübsche Einkaufsviertel, in dem es einige schöne Moscheen, einen Tempel, viele muslimische Häuser mit Blumenornamenten und viele Juweliere gibt, das Internetcafé und den gemütlichen kleinen Lebensmittelmarkt, wo wir uns gutes Obst gekauft haben.
Nachdem die Mädchen schon seit einigen Tagen Husten, Schnupfen und teilweise auch Fieber hatten, ist Caro am Donnerstag auch richtig krank geworden. Ich habe mich auch nicht sehr gut gefühlt, Halsweh und Kopfweh bekommen, aber immerhin bin ich nicht richtig krank geworden. Am Freitag haben wir- Caro hatte Lust auf ein vertrautes Essen- versucht, Nudeln mit Tomatensoße zu kochen. Das ist aber leider nicht ganz so geworden, wie wir uns es vorgestellt hatten. Die Nudeln, die wir auf dem Markt gekauft hatten, haben einen seltsamen Eigengeschmack entwickelt, haben ihre Form verloren und sind sehr klebrig geworden und die Soße (Tomatensuppe aus dem Päckchen, weil Caro keine gekochten Tomaten mag) hat erstaunlich indisch geschmeckt :D. Ich konnte leider kaum etwas davon essen, weil mir davon schlecht geworden ist, aber es war auch lustig… Vom Essen her werden wir hier nicht gerade verwöhnt. Nett ist, dass wir immer extra Gemüse bekommen, weil Amma („Mutter“= die Leiterin des Hostels) denkt, wir könnten nicht das scharfe Essen der Mädchen vertragen, für mich geht das aber meistens schon. Außerdem gibt es zwei Mädchen, die es sich nicht nehmen lassen, jeden Abend nur für uns Chapati (eine Art Pfannkuchen aus Vollkornmehl, Wasser und ein bisschen Öl) zuzubereiten. Ansonsten ist das Essen aber meistens eher karg. Es besteht fast immer aus Reis und einem Curry, in dem eher wenig Gemüse ist. Wir sind jetzt deswegen dazu übergegangen, einmal am Tag Joghurt zu essen, das wir selbst aus gekochter Milch und einem Rest Joghurt zubereiten. Zum Frühstück haben Caro und ich uns Cornflakes gekauft, falls es mal etwas gibt, was wir gar nicht mögen. Meistens gibt es aber Upma, was ich sehr gerne mag. Es besteht aus irgendeinem körnigen Getreide, das mit Wasser, Chili, Kreuzkümmel und anderen Gewürzen aufgekocht wird. An einem Tag gab es „pressed Rice“ und da waren wir beide sehr froh über die Cornflakes. Ich hatte aber auch den Eindruck, dass die meisten Mädchen das nicht soooo lecker fanden. Einmal in der Woche gibt es Idli, eine Art Küchlein aus zerkleinertem Reis und Kokos. Für die Mädchen ist das etwas Besonderes und ich mag es auch gerne, wenn es dazu ein Chutney gibt, aber Caro und viele andere Freiwillige mögen es überhaupt nicht. Weil es eben nicht so wahnsinnig reichhaltig ist, kaufen Caro und ich uns recht oft Obst, damit wir mit den Vitaminen versorgt werden. Amma hat uns erzählt, dass für jedes Kind 500 Rupien zur Verfügung stehen (ca. 7- 8 Euro) und davon kann man sich natürlich nicht besonders tolles Essen leisten. Hauptsache, den Kindern geht es damit besser als daheim, denn dort würden sie wahrscheinlich zum Großteil nicht dreimal täglich eine Mahlzeit bekommen.
Ich bin sehr froh, dass ich überhaupt wieder schreiben kann, denn mein Laptop hat irgendwie einen Wackelkontakt und deswegen funktionieren einige wichtige Tasten sehr oft nicht und im Internetcafé kann man natürlich nicht so gut schreiben und da habe ich auch nicht so viel Zeit. Als ich das letzte Mal da war, ist natürlich prompt der Strom ausgefallen, nachdem ich eine Mail schon ziemlich weit hatte, aber das gehört eben dazu ;). Am Donnerstagabend (es wird ja schon um 18.00 Uhr dunkel) saßen wir auch sehr romantisch mit Kerzen in unserem Zimmer und haben gelesen… Dafür haben wir jetzt regelmäßiger Wasser, was auch ganz geschickt ist. Dass das nicht klappen könnte, habe ich, bevor ich hier war, natürlich auch nicht gedacht, aber es ist vielleicht gar nicht schlecht, auch mal die Erfahrung zu machen, dass das Wasser nicht unbegrenzt ist.
Mit der Umwelt wird hier natürlich ganz anders umgegangen als in Deutschland. Wir haben uns gleich diese 20Liter- Wasserkanister gekauft, um nicht so viel Plastikmüll zu verursachen, aber unseren normalen Müll werfen wir- so gewöhnungsbedürftig es ist- einfach um die Ecke hinter das Schulhaus. Als ich neulich dort war, hat ein fettes wildes Hausschwein mit einer gruseligen Verletzung im Gesicht dort schon auf den Müll gewartet und sich gleich auf die Tüte gestürzt. Diese Schweine sind anscheinend ein echtes Problem: Weil sie sich zu sehr vermehren, werden sie von ihren Besitzern ausgesetzt und sie leben dann auf der Straße, bzw. leider auch bei uns im Innenhof (wir sind auf einem relativ großen Gelände gemeinsam mit der Kirche, einigen Wohnhäusern von Kirchenangestellten und Lehrern, der Grundschule, der Highschool, dem College und einem Wohnheim für die College- Studenten). Amma hat uns gesagt, dass das auch sehr gefährlich ist, weil die Schweine zur Ausbreitung von verschiedenen Krankheiten, wie Dengue- Fieber oder Japanischer Enzephalitis, beitragen.
Ich vermisse meine Hobbies hier sehr. Ich würde unglaublich gerne mal Geige üben oder tanzen, denn im Moment kann ich höchstens zeichnen und dabei werde ich immer von den Kindern beobachtet, so dass ich nicht besonders weit komme. Sie wollen dann nämlich immer irgendwas in ihre Hefte gezeichnet haben- meistens einen „Christmastree“, „Christmasgrandfather“, „Butterfly“, „Horse“, „Girl“ oder „Dog“. Diese Wörter können sie immerhin ;). Ich habe deswegen Amma gefragt, ob sie denkt, ich könnte hier einen Tanzlehrer finden, am liebsten für traditionellen indischen Tanz und sie meinte, das dürfte möglich sein. Das fände ich wirklich klasse! Sport kann man hier nämlich auch nicht so richtig machen: Es ist zum einen zu warm und zum anderen würde das sehr viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Wir machen mit den Mädchen schon oft Bewegungsspiele, aber das ist auch nur eingeschränkt möglich und selbst im Hof gibt es noch genügend Menschen, die dann komisch schauen. Davon lassen wir uns aber natürlich nicht irritieren.
Wir haben hier aber auch schon echt lustiges erlebt: Als es uns am Donnerstag beiden nicht gut ging, wollte uns Amma, fürsorglich wie sie ist, Fruchtsaft kaufen. Bei der Bäckerei gab es allerdings keinen und so hat sie uns vom „Women’ s Fellowship“ zubereiteten Traubensaft mitgebracht (dachte sie). Als wir den dann aufgemacht hatten und ihn trinken wollten, roch er aber so vergoren und tatsächlich stand auf der Flasche, dass es nicht „grape- juice“ sondern „grape- cordial“ (Likör) für die „holy communion“ war… Wir haben so gelacht… Natürlich haben wir den guten Saft dann zum Großteil getrunken (Gott sei Dank war es nur eine kleine Flasche), denn Alkohol desinfiziert ja auch und bei Halsschmerzen soll man auch mit Rotwein gurgeln…
Gestern wurde ich außerdem, als ich vom Einkaufen zurück kam, von einigen Kindern im Schulhof (unser Hostel liegt neben der Schule im Innenhof der Wesley Cathedral) angehalten, die mir die paar englischen Fragen stellen wollten, die sie beherrschen. Natürlich haben sie mal wieder gefragt, ob ich aus Amerika komme und dann haben sie mich gebeten, ihnen Autogramme zu geben… Ich habe mich gefühlt wie im falschen Film :D.
Der Bericht ist vom 18.10. . In der Zwischenzeit ist nicht mehr sehr viel passiert, abgesehen davon, dass Dipavali war und deswegen das Internetcafe mehrere Tage geschlossen hatte und dass ich meine erste schwere Bauchkrankheit mit Antibiotika und allem drum und dran bekommen habe. Ich fuehle mich jetzt immer noch krank, aber wenigstens ist das Schlimmste vorbei (hoffe ich...). Ich denke bis zum naechsten Eintrag wird es hoffentlich nicht ganz so lange dauern ;).

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